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Aktueller Auftragsbestand von Fincantieri

Fincantieri hat sein Auftragsbuch bis 2036 gefüllt und bedient dabei das gesamte Spektrum: von der Four-Seasons-Luxusyacht bis zum 230.000-BRZ-Giganten für Carnival. Was den italienischen Schiffbauer von Papenburg und Saint-Nazaire unterscheidet und warum auch AIDA und TUI Cruises in den kommenden Jahren wieder in Monfalcone bauen lassen.

Blick auf Kräne der Fincantieri Werft n Trieste NCL

Symbolbild – Blick auf eine Werft

Stand: August 2026. Kein anderer Werftkonzern in Europa hat so viele Kreuzfahrtschiffe im Buch wie Fincantieri. Die Standorte Monfalcone, Marghera, Ancona und Sestri Ponente arbeiten derzeit für rund ein Dutzend Reedereien, vom 34.000-BRZ-Yachtschiff bis zum 230.000-BRZ-Neubau für Carnival. Mit der Bestellung von Princess Cruises im April 2026 reicht der Planungshorizont inzwischen bis 2039. Der folgende Überblick zeigt, welche Schiffe fest bestellt sind und wann sie kommen sollen.

Die Neubauten im Überblick

AblieferungName / BezeichnungVermessungAuftraggeber / Betreiber
2027Four Seasons IIca. 34.000 BRZFour Seasons Yachts
2027Explora IV64.000 BRZExplora Journeys
2027Explora V64.000 BRZExplora Journeys
2027Viking Astrea47.800 BRZViking Ocean Cruises
2027Norwegian Aura172.800 BRZNorwegian Cruise Line
2027Oceania Sonataca. 85.000 BRZOceania Cruises
2028N. N. (Prima-Klasse 6)172.800 BRZNorwegian Cruise Line
2028Crystal Graceca. 61.000 BRZCrystal Cruises
2028Explora VI64.000 BRZExplora Journeys
2028Viking Lyraca. 47.800 BRZViking Ocean Cruises
2028Viking Ledaca. 47.800 BRZViking Ocean Cruises
Sommer 2029Carnival Destiny (Ace-Klasse 1)ca. 230.000 BRZCarnival Cruise Line
2029Oceania Ariettaca. 85.000 BRZOceania Cruises
2029Viking Vegaca. 47.800 BRZViking Ocean Cruises
2030N. N. (Prestige-Klasse 2)ca. 77.000 BRZRegent Seven Seas Cruises
Frühjahr 2030N. N. (Neue Schiffsklasse 1)–AIDA Cruises
2030N. N. (Neue Schiffsklasse 1)ca. 226.000 BRZNorwegian Cruise Line
2030N. N. (Expeditionsschiff 3)–Viking Ocean Cruises
2030N. N. (Neubau 19)ca. 54.300 BRZViking Ocean Cruises
2030N. N. (Neubau 20)ca. 54.300 BRZViking Ocean Cruises
Winter 2031/32N. N. (Neue Schiffsklasse 2)–AIDA Cruises
2031N. N. (Ace-Klasse 2)ca. 230.000 BRZCarnival Cruise Line
2031N. N. (InTUItion-Klasse 3)ca. 160.000 BRZTUI Cruises
2031Four Seasons IIIca. 34.000 BRZFour Seasons Yachts
2031N. N. (Grace-Klasse 2)ca. 61.800 BRZCrystal Cruises
2031N. N. (Expeditionsschiff 4)–Viking Ocean Cruises
2031N. N. (Neubau 21)ca. 54.300 BRZViking Ocean Cruises
2031N. N. (Neubau 22)ca. 54.300 BRZViking Ocean Cruises
2032N. N. (Neubau 23)ca. 54.300 BRZViking Ocean Cruises
2032N. N. (Neue Schiffsklasse 2)ca. 226.000 BRZNorwegian Cruise Line
2032N. N. (Sonata-Klasse 3)ca. 85.000 BRZOceania Cruises
2032N. N. (InTUItion-Klasse 4)ca. 160.000 BRZTUI Cruises
2033N. N. (Ace-Klasse 3)ca. 230.000 BRZCarnival Cruise Line
2033N. N. (Prestige-Klasse 3)ca. 77.000 BRZRegent Seven Seas Cruises
2034N. N. (Neubau 24)ca. 54.300 BRZViking Ocean Cruises
2034N. N. (Neue Schiffsklasse 3)ca. 226.000 BRZNorwegian Cruise Line
2034N. N. (Grace-Klasse 3)ca. 61.800 BRZCrystal Cruises
Ende 2035N. N. (Voyager-Klasse 1)183.000 BRZPrincess Cruises
2035N. N. (Sonata-Klasse 4)ca. 85.000 BRZOceania Cruises
2036N. N. (Neue Schiffsklasse 4)ca. 226.000 BRZNorwegian Cruise Line
2037N. N. (Neue Schiffsklasse 5)ca. 226.000 BRZNorwegian Cruise Line
2037N. N. (Sonata-Klasse 5)ca. 85.000 BRZOceania Cruises
2038N. N. (Voyager-Klasse 2)183.000 BRZPrincess Cruises
2039N. N. (Voyager-Klasse 3)183.000 BRZPrincess Cruises

Optionen: Bei TUI Cruises besteht eine weitere Option auf ein Schiff der InTUItion-Klasse.


Detaillierte Betrachtung der Projekte

Das Ablieferungsjahr 2026

Sieben Neubauten stehen für dieses Jahr im Plan, fünf davon sind bereits übergeben. Den Anfang machte am 5. März die Norwegian Luna in Marghera, es folgten Four Seasons I, Mein Schiff Flow und Viking Mira im ersten Halbjahr. Die Explora III wurde am 23. Juli in Sestri Ponente übernommen und startete am 3. August von Barcelona zu ihrer Jungfernfahrt nach Lissabon. Noch ausstehend sind die Viking Libra im vierten Quartal und die Seven Seas Prestige, deren Indienststellung für Dezember 2026 geplant ist.

Eine Atempause bringt der Jahreswechsel nicht. Für 2027 stehen erneut sechs Ablieferungen im Buch, verteilt auf Four Seasons, Explora Journeys, Viking, Norwegian und Oceania. Die Standorte arbeiten damit ohne erkennbare Lücke weiter.

Mein Schiff Flow, Ablieferung 2026

Für den deutschsprachigen Markt ist die Mein Schiff Flow der Neubau des Jahres. Sie ist das zweite Schiff der InTUItion-Klasse und folgt auf die im Februar 2025 abgelieferte Mein Schiff Relax. Beide Schiffe teilen sich dasselbe Grundkonzept mit 161.000 BRZ. Zwei Schwesterschiffe hat TUI Cruises im September 2025 nachbestellt, sie kommen 2031 und 2032. Für Fincantieri ist die Baureihe damit auf vier Einheiten angewachsen.

Carnival Ace-Klasse: Baubeginn erfolgt

Am 10. Juli 2026 fand in Monfalcone der Stahlschnitt für den ersten Neubau der Ace-Klasse statt, dabei wurde auch der Name bekannt: Carnival Destiny. Das Schiff soll im Sommer 2029 in Dienst gehen und ab Florida in der Karibik, auf den Bahamas und in Mexiko fahren.

Der Name ist ein Rückgriff. Die erste Carnival Destiny lief 1996 ebenfalls in Monfalcone vom Stapel und war seinerzeit das erste Passagierschiff über 100.000 BRZ. Der Neubau liegt bei rund 230.000 BRZ und fasst bei Vollbelegung der etwa 3.000 Kabinen über 8.000 Gäste. Nach Angaben von Fincantieri wird es das größte Schiff, das der Konzern bislang gebaut hat. Bei Länge, Breite und Bruttoraumzahl bleibt es allerdings unter der Icon-Klasse von Royal Caribbean, die bei Meyer Turku entsteht. Zwei weitere Schiffe der Ace-Klasse sind für 2031 und 2033 bestellt.

Norwegian Cruise Line: zwei Baureihen parallel

NCL ist der Kunde mit den meisten Neubauten im Fincantieri-Auftragsbuch. Die Prima-Klasse läuft mit der Norwegian Luna 2026 und der Norwegian Aura 2027 weiter, ein sechstes Schiff der Baureihe folgt 2028. Daran schließt eine neue, deutlich größere Klasse mit rund 226.000 BRZ an, deren Ablieferungen sich über 2030, 2032, 2034, 2036 und 2037 verteilen. Damit ist die Reederei bis weit in die 2030er-Jahre in den italienischen Docks vertreten.

Auffällig ist der Kurswechsel bei der Schiffsgröße. Die Prima-Klasse startete 2022 mit rund 143.000 BRZ, die neue Baureihe liegt nun bei etwa 226.000 BRZ. NCL folgt damit demselben Muster wie Carnival und Royal Caribbean, die ihr Wachstum ebenfalls über größere Einheiten statt über mehr Schiffe abbilden. Für die Werften bedeutet das längere Bauzeiten pro Auftrag und eine planbarere Auslastung.

Seitenansicht der Norwegian Prima
Mit der Norwegian Prima startete 2022 die Prima-Klasse der Norwegian Cruise Line

Princess Cruises: neue Voyager-Klasse ab 2035

Im April 2026 kam ein Auftrag hinzu, der das Auftragsbuch bis an das Ende des Jahrzehnts verlängert. Princess Cruises bestellte drei Schiffe einer neuen Voyager-Klasse in Monfalcone. Die Eckdaten:

  • Ablieferung – Ende 2035, 2038 und 2039
  • Vermessung – je 183.000 BRZ
  • Kapazität – rund 4.700 Gäste

Die Baureihe baut auf der Sphere-Klasse auf, zu der Sun Princess und Star Princess gehören, und wird nach Angaben der Reederei über neu gestaltete Außendecks, Kabinen und Piazza-Bereiche verfügen. Für den Mutterkonzern Carnival Corporation sind es die LNG-Schiffe Nummer 19 bis 21. Wie üblich stehen die Verträge unter dem Vorbehalt der Finanzierung.

Viking Ocean Cruises: die längste Serie im Buch

Keine Reederei hat bei Fincantieri so viele Einheiten laufen wie Viking. Bis 2031 stehen mehr als zehn Neubauten im Plan, dazu kommen Optionen für 2032 und 2034. Die klassischen Ozeanschiffe wachsen dabei von 47.800 BRZ auf rund 54.300 BRZ, parallel entstehen zwei weitere Expeditionsschiffe für 2030 und 2031.

Technisch interessant sind die beiden Neubauten Viking Libra (2026) und Viking Astrea (2027). Sie sind als erste Kreuzfahrtschiffe mit Wasserstoffantrieb ausgelegt und gehen damit einen anderen Weg als der Rest der Branche, die überwiegend auf LNG setzt. Ob sich die Technik im Alltagsbetrieb bewährt, wird sich erst nach den ersten Saisons zeigen.

Explora Journeys, Regent, Oceania, Crystal und Four Seasons

Ein erheblicher Teil des Auftragsbuchs entfällt auf kleinere Schiffe im gehobenen Segment. Explora Journeys, die Luxusmarke der MSC-Gruppe, hat mit der Explora III die Hälfte ihrer geplanten Flotte erreicht, bis 2028 folgen drei weitere Einheiten mit je 64.000 BRZ. Regent Seven Seas Cruises startet im Dezember 2026 mit der Seven Seas Prestige eine neue Baureihe: 76.550 BRZ, 257 Meter Länge und 822 Gäste in 411 Suiten. Drei Schwesterschiffe sind bestellt, sie kommen 2030, 2033 und 2036. Oceania Cruises baut ab 2027 die Sonata-Klasse auf insgesamt fünf Schiffe aus, das letzte kommt 2037.

Crystal Cruises kehrt 2028 mit der Crystal Grace in den Neubaumarkt zurück, zwei weitere Schiffe stehen für 2031 und 2034 im Buch. Und mit Four Seasons Yachts bedient Fincantieri ein Segment zwischen Kreuzfahrt und Hotellerie: drei Schiffe mit je rund 34.000 BRZ für 2026, 2027 und 2031, betrieben unter dem Namen der Hotelgruppe. Diese kleineren Aufträge fallen bei der Tonnage kaum ins Gewicht, sie sichern aber die Auslastung der Standorte Ancona und Sestri Ponente neben den Großprojekten in Monfalcone und Marghera.

AIDA Cruises: zwei Neubauten ab 2030

Für den deutschen Markt hat AIDA Cruises am 7. April 2025 zwei Schiffe einer neuen Klasse bestellt. Die erste Einheit soll im Frühjahr 2030 kommen, die zweite zur Wintersaison 2031/32. Details zu Größe, Kapazität und Antrieb hat die Reederei bislang nicht veröffentlicht. Zusammen mit den vier InTUItion-Schiffen von TUI Cruises sind damit sechs Neubauten für den deutschsprachigen Markt bei Fincantieri in Arbeit.


Ein Auftragsbuch über drei Jahrzehnte

Die Bandbreite ist das Auffällige an dieser Liste. Fincantieri baut parallel 34.000-BRZ-Yachtschiffe für Four Seasons und 230.000-BRZ-Neubauten für Carnival, dazu Expeditionsschiffe, Luxuseinheiten und Massenmarktschiffe. Mit der Princess-Bestellung reicht die Auslastung bis 2039, was die Werften in eine ungewöhnlich planbare Lage bringt. Zugleich hängt ein großer Teil des Buchs an wenigen Konzernen: Carnival Corporation, Norwegian Cruise Line Holdings und die MSC-Gruppe stellen zusammen den Großteil der Aufträge. Wie stabil die Termine der 2030er-Jahre wirklich sind, wird sich erst zeigen, wenn die einzelnen Verträge in den Bau gehen. Hier findest du die vollständige Liste aller bestellten Kreuzfahrtschiffe.

Poolbereich im Heck eines Kreuzfahrtschiffes
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