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Rekord-Niedrigwasser auf der Donau: Flusskreuzfahrten sind beeinträchtigt

Rekordtiefe Pegelstände auf Donau und Rhein sorgen für Absagen und Routenänderungen bei Flusskreuzfahrten. Ein Schiff lief bereits auf Grund und die hydrologisch kritischste Zeit steht noch bevor.

Rheinlandschaft mit niedrigem Wasserstand

Ende Juli 2026 hat die Donau an der bayerischen Messstelle Pfelling einen historischen Tiefstand erreicht. Der Pegel lag bei 216 Zentimetern und unterschritt damit den bisherigen Rekordtiefstwert von 221 Zentimetern aus dem August 2022. Ursache ist eine anhaltende Kombination aus Hitzewellen und ausgebliebenem Niederschlag, die seit Mitte Juni die Pegelstände an mehreren mitteleuropäischen Wasserstraßen kontinuierlich absinken lässt. Auch am Rhein erreichte der Wasserstand in Kaub am 30. Juli laut Informationssystem Elwis der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung gerade noch 29 Zentimeter. Für die Flusskreuzfahrtbranche bedeutet das eine der schwierigsten Sommerlagen seit Jahren: Veranstalter sagen Reisen ab, passen Routen an und organisieren kurzfristig Ersatzverkehre.

Viking Ullur läuft in Bulgarien auf Grund

Der bislang gravierendste Einzelvorfall ereignete sich am 28. Juli 2026 in Bulgarien. Das Flusskreuzfahrtschiff Viking Ullur lief rund 25 Kilometer vor der Stadt Widin auf Grund. Alle 186 Passagiere und 52 Besatzungsmitglieder mussten evakuiert werden. Als Ursache nannte das bulgarische Innenministerium schlechte Sicht und den niedrigen Wasserstand der Donau.

Besonders heikel: Auch ein zweites Schiff, das die Passagiere aufnehmen sollte, konnte wegen des Niedrigwassers nicht bis zur Unglücksstelle vordringen. Einsatzkräfte der bulgarischen Grenzschutzpolizei brachten die Menschen schließlich in Sicherheit. Der Vorfall verdeutlicht, wie eng die Spielräume auf der Donau derzeit sind.

Absagen und Umbuchungsoptionen bei mehreren Veranstaltern

Mehrere Flusskreuzfahrtveranstalter reagieren auf die Lage. VIVA Cruises sagte eine Donau-Kreuzfahrt mit der VIVA Enjoy ab, die vom 15. bis 22. Juli 2026 ab Wien hätte stattfinden sollen. Die Pegelstände sowie die Prognosen hätten eine sichere Durchführung nicht zugelassen.

Phoenix Reisen bietet betroffenen Gästen eine kostenfreie Umbuchung an: Für alle bereits gebuchten Flusskreuzfahrten auf Donau, Mosel und Rhein mit Abfahrt bis einschließlich 12. August 2026 ist ein Wechsel ohne Aufpreis möglich. Reisen in Holland und Belgien sind davon ausgenommen. Das Unternehmen betonte, dass häufig wenige Zentimeter über die Passierbarkeit eines Streckenabschnitts entscheiden und bat Gäste, ihre Kontaktdaten zu hinterlegen, um kurzfristige Änderungen schnell kommunizieren zu können.

nicko cruises hat seit Mitte Juli bereits zwölf Donaufahrten abgesagt. Unternehmenssprecherin Sandra Huck erklärte, die Situation habe sich in den vergangenen zwei Wochen deutlich zugespitzt. Normalerweise überbrückt nicko cruises Engstellen mit einem Schiffstausch: Gäste verlassen ihr Schiff, fahren per Bus weiter und steigen auf ein Schwesterschiff um. Inzwischen gibt es jedoch zu viele Engstellen für diesen Ansatz. Die jüngste Absage traf Gäste besonders kurzfristig, als ein Schiff Passau wegen der Wasserstände nicht mehr erreichen konnte. Betroffene Kunden erhielten Erstattungen.

Strukturelle Schwachstelle: Nicht ausgebaute Abschnitte

Die Probleme konzentrieren sich auf bestimmte Abschnitte der Donau. Auf weiten Strecken in Deutschland und Österreich halten Wehre und Staustufen den Pegel weitgehend stabil. Zum Nadelöhr wird in Deutschland der nicht ausgebaute Abschnitt zwischen Straubing und Vilshofen: Auf diesen rund 69 Kilometern müssen Schiffsführer ihren Tiefgang täglich neu anpassen. Unpassierbar sind derzeit vor allem Fahrten zum Donaudelta und zum Schwarzen Meer, aber auch die Strecke von Passau nach Budapest. Je südlicher, desto schwieriger.

In Ungarn fehlen Regulierungsbauwerke weitgehend. Manche Frachtschiffe mit einem regulären Fassungsvermögen von 2.000 Tonnen können derzeit nur 300 bis 500 Tonnen laden. Die Einschränkungen betreffen damit nicht nur den Tourismus, sondern die gesamte Binnenschifffahrt. In Ungarn fährt nach Angaben des Verkehrsministeriums nur noch ein kleiner Teil der Frachtschiffe, und diese mit 10 bis 20 Prozent ihrer Tragfähigkeit. Treibstofftanker, die Raffinerien in Schwechat und Bratislava beliefern, sind ebenfalls betroffen, was die Versorgung des ungarischen Kraftstoffmarktes beeinträchtigen könnte.

Prognose: Entspannung frühestens Ende August

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde hat eine neue Sechs-Wochen-Vorhersage für zentrale Donaupegel gestartet. Laut der Vorhersage kann erst Ende August mit etwas mehr als 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit das mittlere Niedrigwasser überschritten werden. Die für diese Zeit als moderat angegebene Vorhersagequalität weist auf eine erhöhte Unsicherheit hin.

September und Oktober sind statistisch die Monate mit den niedrigsten Abflusskoeffizienten an mitteleuropäischen Bundeswasserstraßen. Die hydrologisch häufig kritischste Zeit des Jahres liegt damit noch vor der Branche. Eine aktuell angekündigte weitere Hitzewelle dürfte die Situation kurzfristig weiter verschärfen. Experten gehen davon aus, dass sich das Problem in den kommenden Jahren aufgrund der Erderwärmung weiter verschärfen könnte. Sandra Huck von nicko cruises formulierte es nüchtern: Das Niedrigwasser sei ein Phänomen, mit dem man seit 35 Jahren lebe.

Poolbereich im Heck eines Kreuzfahrtschiffes
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