Symbolbild – Blick auf das Werftareal der Neptun Werft und des Marinearsenals in Warnemünde
Stand: August 2026. Während in Papenburg die großen Kreuzfahrtschiffe entstehen, baut die Schwesterwerft in Rostock-Warnemünde die Flotte für Europas Flüsse. Über 70 Schiffe hat die Neptun Werft inzwischen allein für Viking gefertigt, und die Serie läuft bis 2028 weiter. Daneben kommen zwei Projekte hinzu, die mit Flusskreuzfahrt nichts zu tun haben: Marineschiffe und eine Konverterplattform für die Offshore-Windenergie. Dieser Überblick zeigt, was derzeit im Auftragsbuch steht.
Die Neubauten im Überblick
| Ablieferung | Name | Passagiere | Länge | Auftraggeber |
|---|---|---|---|---|
| 2026 | Viking Dagur | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2026 | Viking Eldir | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2026 | Viking Rota | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2026 | Viking Haki | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2026 | Viking Halogi | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2026 | Viking Sjofn | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2027 | Marinebetriebsstoffversorger Klasse 707 | – | – | Deutsche Marine |
| 2027 | Viking Fulla | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2027 | Viking Laga | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2027 | Viking Ran | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2027 | Viking Hnoss | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2028 | Viking Gna | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2028 | Viking Irpa | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2028 | Viking Kolga | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
| 2028 | Viking Agnarr | 190 | 135 m | Viking River Cruises |
Viking Annar und Viking Fjolvar: abgeliefert im Juni 2026
Die offizielle Übergabe fand am 11. Juni 2026 in Basel statt, technisch abgenommen hatte das Projektmanagement die beiden Schiffe schon einen Tag zuvor im niederländischen Lelystad. Die Viking Annar ist ein klassisches Longship mit 135 Metern Länge, 190 Passagieren und 53 Crewmitgliedern. Sie fährt auf Rhein, Main und Donau, die ersten Gäste kamen am 22. Juni in Amsterdam an Bord.
Die Viking Fjolvar ist ein Sonderfall. Sie gehört zur Seine-Serie, deren Schiffe um zehn Meter auf 125 Meter gekürzt wurden, damit sie bis ins Pariser Zentrum fahren können. Mit 84 Kabinen bietet sie Platz für 168 Passagiere und 46 Besatzungsmitglieder. Ihre ersten Gäste empfing sie am 4. Juli. Vorerst ist sie das letzte Schiff dieser Baureihe, die Longship-Serie ist mit ihr auf 70 Einheiten angewachsen.
Die Longship-Serie: sechs Schiffe noch in diesem Jahr
Wer im Sommer an der Warnow entlangfährt, sieht in der Schiffbauhalle mehrere Rümpfe gleichzeitig. Das ist das Prinzip der Serienfertigung, auf dem das Geschäft der Werft beruht: Alle Longships teilen sich dieselben Abmessungen, dieselbe Kabinenaufteilung und weitgehend dieselbe Technik. Für 2026 stehen noch sechs Ablieferungen an, danach folgen jeweils vier Schiffe in den Jahren 2027 und 2028.
Technisch unterscheiden sich die aktuellen Neubauten von den früheren Einheiten der Serie. Die wichtigsten Merkmale:
- Energie – Solarpaneele auf dem Sonnendeck und Landstromanschluss im Hafen
- Abwasser – Kompaktanlage zur Behandlung an Bord
- Kapazität – 190 Passagiere in 95 Kabinen, dazu 53 Crewmitglieder
Der Batteriespeicher ist dabei der Punkt, der den Kraftstoffverbrauch spürbar senkt. Nach Angaben der Werft war der Betrieb dieser Technik auf den bereits abgelieferten Schiffen mit ausschlaggebend dafür, dass Viking erneut in Rostock bestellt hat. Für die Gäste an Bord macht sich das vor allem als geringere Geräuschentwicklung bemerkbar, besonders in den Kabinen auf dem Unterdeck. Die Schiffe fahren auf Rhein, Main, Donau, Rhône und Seine.
Woher die Aufträge stammen
Die aktuelle Auslastung geht auf zwei Bestellungen zurück. Im Dezember 2023 beauftragte Viking zehn Schiffe für 2025 und 2026, darunter zwei für die Seine. Der symbolische Baustart erfolgte damals mit einer zehnfachen Kiellegung an einem einzigen Tag. Im Januar 2025 folgte die Bestellung von acht weiteren Longships für 2027 und 2028.
Damit ist das Kerngeschäft der Werft bis 2028 abgedeckt. Werftchef Stephan Schmees ordnete den zweiten Auftrag genau so ein: Die acht Schiffe bedeuteten Beschäftigung im Kerngeschäft bis in das Jahr 2028 hinein. Wie es danach weitergeht, ist offen. Bei Viking wächst die Flussflotte durch die laufenden Bestellungen bis 2028 auf über 110 Einheiten. Ein Teil davon entsteht nicht in Rostock: Die Nilschiffe kommen von der Massara-Werft in Kairo, die Douro-Schiffe von West Sea im portugiesischen Viana do Castelo, und für 2027 und 2028 sind mit der Viking Brahmaputra und der Viking Ganges erstmals zwei Schiffe für Indien angekündigt.
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Die in Rostock gebauten Longships fahren auf Rhein, Main, Donau, Rhône und Seine, viele davon sind für die kommende Saison buchbar. Flusskreuzfahrten sind unter anderem über e-hoi buchbar, das Angebot umfasst neben Flussreisen auch Routen im Mittelmeer und in Nordeuropa. Verfügbarkeit und Preis hängen vom Reisetermin und vom gebuchten Tarif ab.
Marine und Forschung: die Projekte neben Viking
Nicht alles, was in Warnemünde entsteht, hat mit Urlaub zu tun. Die Werft fertigt zwei Marinebetriebsstoffversorger, die im Verbund der Meyer Gruppe mit NVL entstehen, sowie Sektionen für das Forschungsschiff Meteor IV. Beide Projekte laufen parallel zum Flusskreuzfahrtgeschäft und nutzen dieselben Fertigungskapazitäten.
Für die Werft sind solche Aufträge eine Absicherung. Fällt die Nachfrage nach Flusskreuzfahrtschiffen einmal ab, hängt nicht das gesamte Geschäft an einem einzigen Kunden. Gleichzeitig sind Sonderprojekte schwerer zu kalkulieren als Serienbauten, weil sich Erfahrungswerte aus vorherigen Einheiten kaum übertragen lassen. Die Meyer Gruppe hat das bei ihren Offshore-Projekten in Papenburg zu spüren bekommen.
Konverterplattform North Sea Connector 2
Der größte Einzelauftrag im Buch stammt nicht aus dem Schiffbau. Im Juni 2026 vergab der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz das Konvertersystem für das Projekt North Sea Connector 2 an ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables. Die Topside der Plattform entsteht in Rostock-Warnemünde. Es ist die erste in Deutschland gefertigte Konverterplattform mit zwei Gigawatt Leistung.
Der Zeitplan reicht weit über das Flusskreuzfahrtprogramm hinaus: Baubeginn 2028, Fertigstellung 2034. Über 500 neue Arbeitsplätze sollen dafür am Standort entstehen. Kommt die zweite Plattform hinzu, über die 50Hertz bereits verhandelt, läge das Gesamtvolumen bei rund 2,5 Milliarden Euro. Das Joint Venture Neptun Smulders war bereits 2023 gegründet worden, um genau in dieses Geschäftsfeld einzusteigen.
Serienfertigung mit zweitem Standbein
Die Auftragslage in Warnemünde unterscheidet sich deutlich von der in Papenburg. Statt weniger Großprojekte über Jahre laufen hier vier bis sechs gleichartige Schiffe pro Jahr vom Band, was die Planung berechenbar macht und Anlaufverluste gering hält. Die Kehrseite ist die Abhängigkeit von einem einzigen Kunden, denn nahezu das gesamte Flusskreuzfahrtgeschäft der Werft entfällt auf Viking. Mit der Konverterplattform für 50Hertz entsteht ab 2028 erstmals ein zweites Standbein, das über das Ende der aktuellen Schiffsserie hinausreicht. Hier findest du die vollständige Liste aller bestellten Kreuzfahrtschiffe.

















