Startschuss für die Emsüberführung
In dieser Woche steht ein maritimes Großereignis bevor: Die Überführung des neuen Disney Cruise Line Kreuzfahrtschiffes Disney Destiny von der Meyer Werft in Richtung Nordsee. Damit das mehr als 340 Meter lange Schiff die schmale und seichte Ems passieren kann, wird der Fluss in einem mehrtägigen Verfahren angestaut. Nur durch das Schließen des Emssperrwerks bei Gandersum kann der nötige Wasserstand hergestellt werden, der eine sichere Passage ermöglicht.
Mittwoch: Vorbereitung und Anstau
Laut ELWIS beginnt der Auftakt für die Emsüberführung am Mittwoch, 17. September, mit der Schließung des Emssperrwerks. Ab etwa 9 Uhr morgens werden die Tore dicht gemacht, und das Wasser staut sich allmählich auf. Dieser Prozess dauert viele Stunden, in denen sich der Pegel kontinuierlich erhöht. Während dieser Phase ist das Sperrwerk für die gesamte Schifffahrt gesperrt, Liegeplätze stehen nicht zur Verfügung. Der Stau bleibt bis Freitagmittag bestehen, um genügend Spielraum für die Überführung zu schaffen.
Donnerstag: Das Schiff setzt sich in Bewegung
Am Donnerstagabend, 18. September, folgt dann der eigentliche Startschuss für die Emsüberführung der Disney Destiny. Gegen 21 Uhr verlässt das Schiff seinen Bauplatz und macht sich langsam auf den Weg flussabwärts. Die Wahl des späten Zeitpunkts ist bewusst: In der Nacht sind die Windbedingungen stabiler, der Schiffsverkehr geringer, und Brücken können ohne großen Einfluss auf den Tagesverkehr geöffnet werden.
Begleitet von Schleppern gleitet der Riese mit äußerster Präzision durch die schmale Wasserstraße. Schon kleinste Kursabweichungen könnten problematisch werden, daher ist höchste Konzentration gefragt.
Freitagmorgen: Die Brückenpassage bei Leer
Am Freitagmorgen, 19. September, steht einer der anspruchsvollsten Abschnitte bevor. Gegen 5 Uhr erreicht die Disney Destiny die Jann-Berghaus-Brücke in Leer. Für die Passage muss nicht nur der Straßenverkehr, sondern auch die Bahnverbindung unterbrochen werden. Wenn sich der Kreuzfahrtgigant mit wenigen Metern Abstand unter der geöffneten Brücke hindurchschiebt, wird die Dimension der Emsüberführung besonders deutlich – ein Höhepunkt sowohl für die Besatzung als auch für die Zuschauer.
Freitagmittag: Durchfahrt durch das Sperrwerk Gandersum
Nach weiteren Stunden Fahrt nähert sich das Schiff dem Emssperrwerk. Gegen Mittag, etwa um 12 Uhr, ist die Durchfahrt geplant. Sobald die Disney Destiny den Bereich hinter dem Sperrwerk erreicht hat, endet die eigentliche Emsüberführung. Anschließend wird der Stau aufgehoben, und der Fluss kehrt in seinen normalen Zustand zurück. Für die Verantwortlichen markiert dies den entscheidenden Moment, bevor das Schiff in Emden für die Endausrüstung und erste Probefahrten festmacht.
| Datum | Uhrzeit (ca.) | Ereignis |
|---|---|---|
| 17. September | 09:00 Uhr | Schließung des Emssperrwerks Gandersum, Beginn des Anstaus |
| 18. September | 21:00 Uhr | Auslaufen der Disney Destiny von der Werft, Beginn der Überführung |
| 19. September | 05:00 Uhr | Passage der Jann-Berghaus-Brücke in Leer |
| 19. September | 12:00 Uhr | Durchfahrt durch das Emssperrwerk Gandersum, Ende der Überführung |
Einschränkungen für die Schifffahrt
Während der gesamten Überführung gibt es erhebliche Einschränkungen. Der Kreuzfahrtgigant gilt auf der Ems als sogenanntes Wegerechtsschiff. Andere Schiffe müssen zurückweichen, Überholen oder Begegnen ist nur nach ausdrücklicher Absprache erlaubt. Ankern oder Warten im gesperrten Bereich ist nicht gestattet. Die Verkehrszentrale Ems informiert fortlaufend über aktuelle Sperrungen und Freigaben per Funk.
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Koordination und Präzision
Der reibungslose Ablauf verlangt höchste Präzision. Neben den Schleppern und der Lotsenbrücke sind zahlreiche Behörden eingebunden: die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, Brückenwärter, Polizei und Sicherungsdienste. Jede Zeitangabe wird akribisch abgestimmt, denn selbst kleine Verzögerungen können Auswirkungen auf den gesamten Ablauf haben. Das Emssperrwerk, die Brücken und die Schifffahrt müssen im Minutentakt zusammenspielen.
Ein Ereignis für die Region
Für die Region an der Ems bedeutet die Überführung nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Tausende Menschen werden sich entlang der Ufer einfinden, um das spektakuläre Bild des riesigen Kreuzfahrtschiffes auf der schmalen Ems zu verfolgen. Hotels und Gastronomie stellen sich auf zahlreiche Besucher ein, und viele Medien übertragen den Ablauf live.
Die Überführung der Disney Destiny ist somit weit mehr als eine technische Notwendigkeit – sie ist Schaufenster für deutsche Schiffbaukunst, touristisches Highlight und logistisches Meisterstück zugleich. Wenn am Freitagmittag das Sperrwerk bei Gandersum geöffnet wird und der Ozeanriese seinen Weg in Richtung Nordsee fortsetzt, endet eine Etappe, die seit Monaten vorbereitet wurde und die einmal mehr zeigt, wie eng Tradition, Hightech und spektakuläre Bilder an der Ems zusammengehören.














