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Seekrankheit ist eines der häufigsten Bedenken vor einer ersten Kreuzfahrt. Die Symptome, darunter Übelkeit, Schwindel und Unwohlsein, entstehen, wenn das Gleichgewichtsorgan im Innenohr widersprüchliche Signale empfängt: Die Augen sehen eine ruhige Umgebung, aber der Gleichgewichtssinn registriert die Bewegung des Schiffs. Das Gehirn kann diese unterschiedlichen Signale nicht sinnvoll zusammenführen, was die Beschwerden auslöst.
Dieser Artikel beschreibt Maßnahmen zur Vorbeugung, Hausmittel und Sofortmaßnahmen bei Seekrankheit an Bord. Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Wer zu starker Reiseübelkeit neigt oder Medikamente einnehmen möchte, sollte vor der Reise einen Arzt konsultieren.
Warum wird man seekrank?
Seekrankheit gehört zur Gruppe der Reisekrankheiten (Kinetosen). Sie entsteht durch einen Konflikt zwischen den Sinnesorganen: Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert die Bewegung des Schiffs, während die Augen in der Kabine eine stabile Umgebung wahrnehmen. Das Gehirn kann diese widersprüchlichen Informationen nicht eindeutig verarbeiten und reagiert mit Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein.
Nicht alle Menschen sind gleich anfällig. Als besonders empfindlich gelten nach medizinischen Erkenntnissen Kinder (ca. 2 bis 12 Jahre), Frauen (insbesondere während der Menstruation oder Schwangerschaft) und Menschen, die bereits bei Auto- oder Flugreisen zu Übelkeit neigen. Die Anfälligkeit kann individuell stark variieren. Erfahrungsgemäß gewöhnt sich der Körper bei den meisten Menschen innerhalb von ein bis zwei Tagen an die Bewegung des Schiffs, sodass die Symptome nachlassen.
Moderne Kreuzfahrtschiffe verfügen über Stabilisatoren, die das Schaukeln deutlich reduzieren. Auf großen Schiffen und in ruhigen Fahrtgebieten (z.B. Mittelmeer, Ostsee, Fjorde) ist die Bewegung erfahrungsgemäß so gering, dass viele Gäste sie kaum wahrnehmen. Auf offener See (z.B. Atlantiküberquerung, Biskaya, Nordatlantik) kann der Seegang stärker sein.
Vorbeugung: Kabinenwahl, Ernährung und Routenwahl
Der wirksamste Ansatz gegen Seekrankheit ist die Vorbeugung. Mehrere Faktoren lassen sich vor und während der Reise beeinflussen.
✔ Kabinenwahl
Die Position der Kabine auf dem Schiff hat einen Einfluss auf die wahrgenommene Bewegung. Kabinen in der Mitte des Schiffs und auf niedrigeren Decks liegen näher am Schwerpunkt des Schiffs und bewegen sich weniger als Kabinen am Bug (vorn) oder Heck (hinten). Kabinen auf den oberen Decks und an den Enden des Schiffs spüren die Schiffsbewegung stärker.
Wer zu Seekrankheit neigt, sollte nach Möglichkeit eine Balkonkabine wählen, weil der Blick nach draußen und die frische Luft erfahrungsgemäß helfen, die Symptome zu reduzieren. In einer Innenkabine fehlt der visuelle Bezugspunkt zum Horizont, was den Sinneskonflikt verstärken kann.
✔ Ernährung
Die Ernährung vor und während der Reise kann die Anfälligkeit beeinflussen. Empfehlenswert sind leicht verdauliche Mahlzeiten in normalen Portionsgrößen. Zu fettiges Essen und zu große Mengen können die Übelkeit verstärken. Gleichzeitig sollte man nicht mit leerem Magen an Bord gehen, weil auch ein leerer Magen die Symptome fördern kann.
Alkohol und stark koffeinhaltige Getränke können das Unwohlsein verstärken und sollten bei Anfälligkeit für Seekrankheit in den ersten Tagen an Bord reduziert werden. Ausreichend stilles Wasser und Kräutertee sind erfahrungsgemäß besser verträglich.
✔ Routenwahl
Wer unsicher ist, wie der eigene Körper auf Schiffsbewegungen reagiert, kann mit einer kürzeren Kreuzfahrt (3 bis 5 Tage) in einem ruhigen Fahrtgebiet beginnen. Das Mittelmeer, die Ostsee und die norwegischen Fjorde gelten erfahrungsgemäß als Fahrtgebiete mit vergleichsweise geringem Seegang. Routen über den offenen Atlantik, durch die Biskaya oder im Nordatlantik im Winter können deutlich mehr Bewegung mit sich bringen.
✔ Frische Luft und Horizont
Ein Aufenthalt an Deck mit Blick auf den Horizont ist eine der einfachsten und erfahrungsgemäß wirksamsten Maßnahmen gegen Seekrankheit. Wenn die Augen den Horizont fixieren, stimmen die visuellen Informationen mit dem Gleichgewichtssinn überein und der Sinneskonflikt wird reduziert. Wer in der Kabine bleibt und liest oder auf den Bildschirm schaut, verstärkt den Konflikt dagegen.
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💡 Tipp: Seekrankheitsmedikamente rechtzeitig besorgen
Wer zu Reiseübelkeit neigt, sollte vor der Abfahrt in der Apotheke nachfragen, welche Mittel für die geplante Reise geeignet sind. An Bord ist in vielen Fällen eine kleine Auswahl erhältlich, die Auswahl ist aber erfahrungsgemäß eingeschränkter als in einer Apotheke an Land. Ein kurzes Gespräch mit dem Apotheker vor der Reise hilft, das passende Mittel rechtzeitig zu besorgen.
Hausmittel gegen Seekrankheit
Wer Medikamente vermeiden möchte, kann auf verschiedene Hausmittel zurückgreifen. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist wissenschaftlich unterschiedlich gut belegt. Was für den einen funktioniert, muss für den anderen nicht wirken.
✔ Ingwer
Ingwer wird seit Jahrhunderten als Mittel gegen Übelkeit eingesetzt. Es gibt Hinweise aus Studien, dass Ingwer die Symptome von Reiseübelkeit lindern kann, auch wenn die Studienlage nicht eindeutig ist. Ingwer kann als Tee, in Kapselform oder als Ingwer-Kaugummi eingenommen werden. Wer Ingwer ausprobieren möchte, sollte ihn vor der Reise besorgen und bereits vor dem Einsteigen einnehmen.
✔ Akupressur-Armbänder
Akupressur-Armbänder üben leichten Druck auf einen Punkt am Handgelenk (Nei-Kuan-Punkt, P6) aus, der in der traditionellen chinesischen Medizin mit der Linderung von Übelkeit in Verbindung gebracht wird. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit ist gemischt: Einige Studien zeigen einen positiven Effekt, andere keinen signifikanten Unterschied zu einem Placebo. Die Bänder sind rezeptfrei in der Apotheke oder online erhältlich und haben keine bekannten Nebenwirkungen.
✔ Kaugummi und Bonbons
Das Kauen von Kaugummi kann erfahrungsgemäß dazu beitragen, den Gleichgewichtssinn zu stabilisieren. Pfefferminz- und Zitronenbonbons werden von vielen Betroffenen als hilfreich empfunden. Eine wissenschaftlich gesicherte Erklärung für den Effekt steht aus, die praktische Erfahrung spricht jedoch dafür, es auszuprobieren.
✔ Kühlung
Ein kalter Waschlappen auf der Stirn oder im Nacken sowie das Lutschen von Eiswürfeln können die Symptome erfahrungsgemäß lindern. Die Kühlung kann das allgemeine Unwohlsein reduzieren und wird von vielen Betroffenen als angenehm empfunden.

Medikamente gegen Seekrankheit
Für Gäste, die zu stärkerer Reiseübelkeit neigen, gibt es verschiedene rezeptfreie und verschreibungspflichtige Medikamente. Die Wahl des Medikaments sollte vorab mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden, insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen, Schwangerschaft oder gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente.
✔ Antihistaminika (z.B. Dimenhydrinat)
Antihistaminika wie Dimenhydrinat (enthalten z.B. in Vomex) sind die am häufigsten verwendeten rezeptfreien Medikamente gegen Reiseübelkeit. Sie wirken gegen Übelkeit und Schwindel, können aber als Nebenwirkung Müdigkeit verursachen. Die Einnahme sollte etwa eine Stunde vor Reisebeginn erfolgen. Die Dosierung und Anwendung richtet sich nach dem jeweiligen Präparat und sollte der Packungsbeilage oder ärztlichen Empfehlung folgen.
✔ Scopolamin-Pflaster
Scopolamin-Pflaster werden hinter das Ohr geklebt und geben den Wirkstoff über bis zu 72 Stunden kontinuierlich ab. Sie eignen sich vor allem für längere Seereisen oder bei starkem Seegang. Scopolamin-Pflaster sind in Deutschland verschreibungspflichtig und müssen vor der Reise vom Arzt verordnet werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Sehstörungen und Schwindel.
✔ Hinweis zu homöopathischen Mitteln
Homöopathische Mittel wie Cocculus werden von einigen Anbietern als Mittel gegen Reiseübelkeit beworben. Es gibt nach aktuellem wissenschaftlichem Stand keine belastbare Evidenz für eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit homöopathischer Präparate bei Seekrankheit.
✔ Medikamente vor der Reise testen
Wer zum ersten Mal Medikamente gegen Reiseübelkeit einnimmt, sollte diese vor der Kreuzfahrt zu Hause testen, um mögliche Nebenwirkungen (insbesondere Müdigkeit) vorab einschätzen zu können. An Bord ist in der Regel eine Bordapotheke mit einer begrenzten Auswahl an Mitteln gegen Seekrankheit verfügbar. Die Preise an Bord sind erfahrungsgemäß höher als an Land.
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Sofortmaßnahmen bei akuter Seekrankheit
Wenn die Symptome trotz Vorbeugung auftreten, können folgende Maßnahmen helfen, die Beschwerden zu lindern.
- An Deck gehen und den Horizont fixieren. Der Blick auf den Horizont bringt die visuellen Informationen mit dem Gleichgewichtssinn in Einklang und ist erfahrungsgemäß die wirksamste Sofortmaßnahme. Nach Möglichkeit sollte man sich an Deck in die Mitte des Schiffs setzen, wo die Bewegung am geringsten ist.
- Ruhig und tief atmen. Kontrollierte, tiefe Atemzüge können das vegetative Nervensystem beruhigen und die Übelkeit reduzieren. Wer sich hinlegen möchte, sollte auf dem Rücken liegen und die Augen schließen.
- Etwas Leichtes essen. Auch wenn der Appetit fehlt: Ein leerer Magen kann die Übelkeit verstärken. Zwieback, salzige Cracker oder eine Banane sind erfahrungsgemäß gut verträglich. Dazu stilles Wasser oder Kräutertee in kleinen Schlucken trinken.
- Kabine in Schiffsmitte aufsuchen. Wer sich in der Kabine aufhält, sollte nach Möglichkeit in der Mitte des Schiffs und auf einem niedrigen Deck sein. Das Lesen oder Starren auf Bildschirme sollte vermieden werden, weil es den Sinneskonflikt verstärkt.
- Kühlung nutzen. Ein kalter Waschlappen auf der Stirn oder im Nacken kann die Symptome lindern. Auch das Lutschen von Eiswürfeln wird von vielen Betroffenen als hilfreich empfunden.
Erfahrungsgemäß klingen die Symptome bei den meisten Menschen innerhalb von ein bis zwei Tagen ab, weil sich der Körper an die Schiffsbewegung gewöhnt. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden steht das Bordhospital zur Verfügung, wo der Schiffsarzt geeignete Medikamente verabreichen kann.

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Häufige Fragen (FAQ) – Die häufigsten Fragen Seekrankheit
Wie wahrscheinlich ist Seekrankheit auf einer Kreuzfahrt?
Das hängt vom Fahrtgebiet, der Schiffsgröße und der individuellen Anfälligkeit ab. Auf großen Schiffen und in ruhigen Fahrtgebieten (Mittelmeer, Ostsee, Fjorde) ist die Schiffsbewegung erfahrungsgemäß so gering, dass viele Gäste sie kaum wahrnehmen. Auf offener See kann der Seegang stärker sein.
Welche Kabine ist am besten gegen Seekrankheit?
Kabinen in der Mitte des Schiffs und auf niedrigeren Decks bewegen sich erfahrungsgemäß weniger. Balkonkabinen bieten zusätzlich frische Luft und einen visuellen Bezugspunkt zum Horizont. Kabinen am Bug oder Heck und auf den oberen Decks spüren die Bewegung stärker.
Hilft Ingwer gegen Seekrankheit?
Es gibt Hinweise aus Studien, dass Ingwer die Symptome von Reiseübelkeit lindern kann. Die Studienlage ist nicht eindeutig, aber die praktische Erfahrung vieler Reisender ist positiv. Ingwer ist als Tee, Kapsel oder Kaugummi erhältlich und hat in der Regel keine Nebenwirkungen.
Welche Medikamente helfen gegen Seekrankheit?
Die am häufigsten verwendeten rezeptfreien Medikamente enthalten den Wirkstoff Dimenhydrinat. Für längere Reisen gibt es Scopolamin-Pflaster, die verschreibungspflichtig sind. Die Wahl des Medikaments sollte vorab mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden.
Gewöhnt man sich an die Schiffsbewegung?
Erfahrungsgemäß gewöhnt sich der Körper bei den meisten Menschen innerhalb von ein bis zwei Tagen an die Bewegung. Die Symptome lassen dann nach. Bei einer kurzen Kreuzfahrt (3 bis 5 Tage) kann die Eingewöhnungsphase einen relevanten Teil der Reise ausmachen.
Gibt es Routen mit wenig Seegang?
Das Mittelmeer, die Ostsee und die norwegischen Fjorde gelten als Fahrtgebiete mit vergleichsweise geringem Seegang. Flusskreuzfahrten haben naturgemäß keinen Seegang. Routen über den offenen Atlantik oder durch die Biskaya können mehr Bewegung mit sich bringen.
















