Die Kreuzfahrtbranche steht seit Jahren unter Druck, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Regulatorische Vorgaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) sowie der Europäischen Union haben den Rahmen in den vergangenen Jahren schrittweise verschärft. Gleichzeitig investieren mehrere Reedereien in alternative Antriebstechnologien und Effizienzmaßnahmen. Ein Überblick über den aktuellen Stand zeigt: Fortschritte sind erkennbar, eine grundlegende Lösung steht jedoch noch aus.
Emissionen als strukturelles Problem
Kreuzfahrtschiffe verbrauchen im Betrieb erhebliche Energiemengen. Neben dem Antrieb entfällt ein wesentlicher Teil auf den Hotelbetrieb an Bord: Klimaanlagen, Beleuchtung, Küchen, Pools und Unterhaltungsanlagen laufen rund um die Uhr. Als Treibstoff wurde lange Schweröl eingesetzt, das beim Verbrennen CO₂, Schwefeloxide, Stickoxide und Feinstaub freisetzt. Modernere Schiffe nutzen zunehmend sauberere Alternativen, doch ein Großteil der weltweiten Kreuzfahrtflotte besteht weiterhin aus älteren Schiffen mit konventionellem Antrieb.
LNG als verbreitete Übergangslösung
Flüssigerdgas (LNG) hat sich in den vergangenen Jahren als häufigste Alternative zu Schweröl bei Neubauten etabliert. LNG verbrennt sauberer und erzeugt nach Branchenangaben weniger CO₂ sowie nahezu keine Schwefeloxide. Mehrere große Reedereien haben LNG-Schiffe in Betrieb genommen oder in Auftrag gegeben.
AIDA Cruises nahm 2018 mit der AIDAnova das erste Kreuzfahrtschiff in Betrieb, das vollständig mit LNG betrieben werden kann. Die AIDAcosma verfügt zusätzlich laut AIDA Cruises über eine Brennstoffzelle für den Hotelbetrieb. MSC Cruises setzte 2022 mit der MSC World Europa ihr erstes LNG-Schiff in Fahrt, das ebenfalls laut MSC Cruises mit einer Brennstoffzelle ausgestattet ist. Bei TUI Cruises ging Ende 2024 die Mein Schiff Relax als erstes LNG-Schiff der Flotte in Dienst.
LNG bleibt jedoch ein fossiler Brennstoff. Eine klimaneutrale Bilanz setzt voraus, dass künftig Bio-LNG oder synthetische Kraftstoffe in ausreichendem Maß verfügbar werden. Beide Alternativen befinden sich noch in einer frühen Marktphase mit begrenzten Produktionskapazitäten.
Hybridantriebe im Expeditions- und Luxussegment
Im Expeditions- und Luxussegment haben mehrere Reedereien auf Hybridtechnologie gesetzt, die konventionelle Antriebe mit elektrischen Systemen kombiniert. Hurtigruten nahm 2019 mit der MS Roald Amundsen das erste Hybrid-Kreuzfahrtschiff in Betrieb. Das Schiff kann in sensiblen Regionen zeitweise rein elektrisch fahren. Die Reederei hat nach eigenen Angaben den Einsatz von Schweröl vollständig eingestellt und nutzt stattdessen Bio-LNG aus organischen Abfällen.
Die französische Reederei Ponant betreibt seit 2021 mit der Le Commandant Charcot ein Hybrid-Polarexpeditionsschiff, das LNG mit Batteriespeichern kombiniert. Silversea hat mit der Silver Nova ein Schiff im Einsatz, das LNG, Brennstoffzellen und Batterien kombiniert und zudem über ein System zur Abfallverwertung an Bord verfügt.
Landstrom reduziert Emissionen im Hafen
Eine weitere Maßnahme zur Emissionsreduzierung ist der Einsatz von Landstrom während der Liegezeit. Schiffe, die im Hafen an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden, müssen ihre bordeigenen Dieselgeneratoren nicht laufen lassen. In Hamburg wird nach Plänen der Hafenbehörde die Landstromnutzung ab 2027 zur Pflicht für Kreuzfahrtschiffe. Die EU verpflichtet große Passagierhäfen ab 2030 zur Bereitstellung entsprechender Infrastruktur. Der tatsächliche Emissionsnutzen hängt dabei vom Strommix des jeweiligen Versorgungsnetzes ab.
Nicht alle Schiffe sind technisch für den Landstrombetrieb ausgerüstet. Die Nachrüstung ist mit erheblichem Aufwand verbunden und erfordert Investitionen sowohl von Reedereien als auch von Hafenbetreibern.


Abgasreinigung und Effizienzmaßnahmen auf bestehenden Schiffen
Auf älteren Schiffen, die nicht auf LNG oder Hybridantrieb umgerüstet werden können, kommen häufig Scrubber zum Einsatz. Diese Abgasreinigungssysteme filtern Schwefel und andere Schadstoffe aus den Abgasen. Die Technologie ist in der Branche nicht unumstritten, da bestimmte Scrubber-Typen Rückstände ins Meerwasser ableiten können.
Weitere verbreitete Effizienzmaßnahmen umfassen reibungsarme Rumpfbeschichtungen, die den Treibstoffverbrauch senken, LED-Beleuchtung, Wärmerückgewinnungssysteme sowie optimierte Klimaanlagen. Im Flusskreuzfahrtsegment hat A-ROSA mit der A-ROSA Sena ein Schiff im Einsatz, das in Städten auf Batteriebetrieb umschalten kann.
Langfristige Ziele ohne verbindliche Fristen
Mehrere Reedereien haben Klimaneutralität als langfristiges Ziel formuliert. MSC Cruises nennt das Jahr 2050, Hurtigruten will laut eigenen Angaben bis 2030 das erste klimaneutrale Expeditionsschiff einsetzen. Verbindliche Zwischenziele mit konkreten Meilensteinen kommunizieren die Unternehmen in den meisten Fällen nicht öffentlich. Unabhängige Überprüfungen der Fortschritte sind nur eingeschränkt möglich.
Die Branche steht damit vor einem strukturellen Problem: Kreuzfahrtschiffe haben eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten. Neubauten mit moderner Antriebstechnik machen nur einen Teil der aktiven Flotte aus. Der vollständige Umbau der weltweiten Kreuzfahrtflotte auf emissionsärmere Antriebe ist ein Prozess, der sich über viele Jahre erstreckt.
















