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Nachhaltigkeit auf Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich sind die Reedereien wirklich?

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Schwarzer Rauch steigt aus einem Kreuzfahrtschiff der Reederei Carnival Cruise Line in Kiel
Lesezeit: 6 Minuten

Kreuzfahrten stehen seit Jahren in der Kritik: Riesige Schiffe, hoher Treibstoffverbrauch und CO₂-Emissionen – auf den ersten Blick scheint Urlaub auf See alles andere als nachhaltig zu sein. Doch die Branche hat die Zeichen der Zeit erkannt und arbeitet intensiv daran, ihre Schiffe klimafreundlicher zu gestalten. Von neuen Technologien über alternative Treibstoffe bis hin zu strengen Umweltrichtlinien gibt es zahlreiche Ansätze, die den ökologischen Fußabdruck einer Kreuzfahrt verkleinern sollen. Aber wie sieht es in der Praxis aus – und sind Kreuzfahrten wirklich umweltfreundlicher geworden?

Warum Kreuzfahrten in der Kritik stehen

Ein typisches Kreuzfahrtschiff verbraucht täglich viele Tonnen Schweröl oder Marinegasöl – und setzt dabei CO₂, Schwefeloxide (SOx), Stickoxide (NOx) und Feinstaub frei. Im Vergleich zu Flugzeugen oder Autos sind die Emissionen pro Passagierkilometer zwar nicht zwangsläufig höher, doch die geballte Größe und die mediale Sichtbarkeit der Schiffe sorgen für heftige Diskussionen.

Hinzu kommt: Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Hotels mit Pools, Klimaanlagen, Restaurants und Entertainment – alles Faktoren, die viel Energie benötigen. Auch die Abfallentsorgung und die Nutzung von Ressourcen an Bord sind kritische Themen.


Was die Reedereien tun, um nachhaltiger zu werden

Trotz der Kritik investieren viele Reedereien massiv in Umwelttechnologien. Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:

1. Alternative Treibstoffe:
Immer mehr Neubauten fahren mit LNG (Liquefied Natural Gas). Dieser Treibstoff verbrennt sauberer als Schweröl und verursacht bis zu 20 % weniger CO₂-Emissionen sowie fast keine Schwefeloxide. Reedereien wie AIDA, Costa, MSC und Carnival haben bereits mehrere LNG-Schiffe in Betrieb.

2. Landstromanschlüsse:
In vielen Häfen können Schiffe inzwischen an das lokale Stromnetz angeschlossen werden. So müssen die Motoren während der Liegezeit nicht laufen, was Emissionen in Städten reduziert. Besonders in Nord- und Westeuropa wird der Ausbau von Landstrom stark gefördert.

3. Abgasreinigung & Filtertechnik:
Auf bestehenden Schiffen werden sogenannte Scrubber oder Katalysatoren eingebaut, die Schwefel und Schadstoffe aus den Abgasen filtern. Das reduziert die Belastung deutlich – auch wenn diese Technik nicht unumstritten ist, da es verschiedene Arten von Scrubbern gibt.

4. Energieeffizienz:
Moderne Schiffe sind aerodynamischer gebaut, verbrauchen weniger Energie und nutzen intelligente Systeme, die den Treibstoffverbrauch optimieren. LED-Beleuchtung, Wärmerückgewinnung und smarte Klimaanlagen sind inzwischen Standard.

5. Abfall- und Wassermanagement:
Viele Schiffe verfügen über geschlossene Systeme zur Mülltrennung, Recycling und zur Aufbereitung von Abwasser. Ziel ist, möglichst wenig Rückstände ins Meer gelangen zu lassen.

Poolbereich im Heck eines Kreuzfahrtschiffes

Nachhaltigkeit im Detail: Diese Reedereien und Schiffe gehen voran

AIDA Cruises – Pionier mit der AIDAnova und AIDAcosma

AIDA ist die erste Kreuzfahrtreederei weltweit, die für ihr Schiffsdesign mit dem Nachhaltigkeitssiegel „Blauer Engel“ ausgezeichnet wurde. Mit der AIDAnova hat die Reederei 2018 das weltweit erste Kreuzfahrtschiff in Betrieb genommen, das vollständig mit Flüssigerdgas (LNG) fahren kann. Dadurch werden im Vergleich zu älteren Schiffen der Flotte bis zu 55 % weniger CO₂ und rund 80 % weniger Stickoxide ausgestoßen.
Ende 2021 folgte die AIDAcosma, ein Schwesterschiff, das zusätzlich eine Brennstoffzelle an Bord hat. Diese wird für den Hotelbetrieb genutzt und spart weitere Energie. Neben den LNG-Schiffen setzt AIDA auf Maßnahmen wie reibungsarme Silikon-Anstriche, die Treibstoff sparen, Landstromanschlüsse in Häfen sowie eine Reduktion des Abfalls um bisher 0,7 kg pro Person und Tag. Langfristig ist das Ziel klar: eine emissionsneutrale Kreuzfahrt – ein genaues Datum nennt AIDA dafür allerdings noch nicht.

TUI Cruises & Hapag-Lloyd Cruises – Landstrom, Methanol & bald LNG

TUI Cruises hat in den letzten Jahren konsequent auf Abgasnachbehandlungssysteme gesetzt und nutzt seit 2020 Landstrom, wo verfügbar. Die neue Mein Schiff 7 (seit 2024) fährt mit Marinediesel, einem deutlich saubereren Treibstoff als Schweröl, und soll perspektivisch auch mit Methanol betrieben werden können. Ende 2024 folgt die Mein Schiff Relax – das erste Schiff der Flotte mit LNG-Antrieb, der auch mit Bio- oder E-LNG betrieben werden kann.
Bei Hapag-Lloyd Cruises fahren seit 2020 alle Schiffe mit Marinediesel, was den Schwefelgehalt auf nur noch 0,1 % reduziert. Auch hier werden sukzessive Landstromanschlüsse installiert, um in Häfen emissionsfrei betrieben werden zu können.

Hurtigruten – Hybrid-Technologie für Expeditionsreisen

Hurtigruten gilt als Vorreiter bei nachhaltigen Expeditionskreuzfahrten. Bereits seit Jahren wird kein Schweröl mehr eingesetzt, stattdessen nutzt die Reederei Bio-LNG aus organischen Abfällen.
Das Expeditionsschiff MS Roald Amundsen (2019) war das erste Hybrid-Kreuzfahrtschiff der Welt und kann in sensiblen Regionen wie der Arktis teilweise rein elektrisch fahren. Auch die MS Fridtjof Nansen verfügt über Hybridantrieb und Wärmerückgewinnungssysteme. Zudem wurde die MS Otto Sverdrup nachträglich auf Hybrid umgerüstet – der CO₂-Ausstoß konnte dadurch um 20 % gesenkt werden. Hurtigruten hat sich vorgenommen, bis 2030 das erste klimaneutrale Expeditionsschiff in Dienst zu stellen.

Ponant – Hybridantrieb im Luxussegment

Die französische Reederei Ponant setzt ebenfalls auf Nachhaltigkeit und verzichtet schon länger auf Schweröl. Mit der Le Commandant Charcot (2021) kam ein Hybrid-Polarexpeditionsschiff hinzu, das LNG mit großen Batteriepaketen kombiniert. Zudem fährt Ponant bewusst mit reduzierter Geschwindigkeit (max. 10 Knoten), um Emissionen weiter zu senken. Strenge Standards für Abfall- und Wasseraufbereitung sowie die Green-Marine-Zertifizierung belegen die Fortschritte.

Silversea – Luxus trifft Innovation

Als Teil der Royal Caribbean Group hat sich Silversea zu einem umfangreichen Umweltschutzprogramm verpflichtet. Besonders innovativ ist die Silver Nova (2023), die mit einer Kombination aus LNG, Brennstoffzellen und Batterien betrieben wird. An Bord gibt es außerdem ein Micro Auto Gasification System, das Abfälle in Energie umwandelt. Die Schwesterschiffe Silver Ray und die Silver Origin (für die Galápagos-Inseln) setzen ebenfalls auf nachhaltige Lösungen. Bei letzterer werden alle Abfälle – bis auf organische Reste – wieder zurückgeführt, um die empfindliche Inselumwelt zu schonen.

MSC Cruises – auf dem Weg zur Klimaneutralität

Mit der MSC World Europa hat MSC 2022 ihr erstes LNG-Schiff in Betrieb genommen. Dieses ist zusätzlich mit einer Brennstoffzelle ausgestattet, die Strom erzeugt, wenn kein Landstrom verfügbar ist. Auch die MSC Seashore gilt als eines der umweltfreundlichsten Schiffe der Welt – mit modernster Technologie, die Emissionen um bis zu 98 % reduzieren soll. Ziel von MSC ist es, bis 2050 klimaneutral unterwegs zu sein.
Zusätzlich werden Wärmerückgewinnungssysteme, LED-Beleuchtung, Landstromanschlüsse und Meerwasserentsalzungsanlagen eingesetzt. Auch die Luxusmarke Explora Journeys setzt auf LNG: Die geplanten Schiffe Explora III und Explora IV sollen nicht nur mit Flüssigerdgas, sondern perspektivisch auch mit Brennstoffzellen ausgestattet werden.

A-ROSA – Nachhaltigkeit auf dem Fluss

Nicht nur auf hoher See, auch auf Flüssen gibt es nachhaltige Konzepte. Mit der A-ROSA SENA (2022) fährt eines der modernsten Flusskreuzfahrtschiffe Europas. Das sogenannte E-Motion-Ship kann in Städten auf Batteriebetrieb umstellen, sodass der Dieselverbrauch massiv sinkt. Zusätzlich nutzt A-ROSA Landstrom, Wärmerückgewinnung, besonders effiziente Klima- und Lüftungssysteme sowie Partikelfilter.


Sind Kreuzfahrten jetzt umweltfreundlich?

Die ehrliche Antwort lautet: noch nicht ganz. Trotz aller Verbesserungen bleibt eine Kreuzfahrt eine ressourcenintensive Urlaubsform. LNG reduziert zwar Emissionen, ist aber nicht CO₂-neutral. Auch Landstrom macht nur dann Sinn, wenn er aus erneuerbaren Energien stammt. Und viele ältere Schiffe sind noch lange nicht so sauber wie Neubauten.

Aber: Im Vergleich zu vor 10 oder 15 Jahren hat sich bereits viel getan. Die Branche ist gezwungen, sich neu aufzustellen – auch weil die öffentliche Wahrnehmung immer kritischer wird und Gesetze strenger werden.

Tipps für umweltbewusste Kreuzfahrer

Auch als Passagier kann man dazu beitragen, die Kreuzfahrt nachhaltiger zu gestalten:

  • Neubauten bevorzugen: Je neuer das Schiff, desto effizienter und sauberer ist es in der Regel.
  • Auf Routen achten: Kürzere Strecken oder Reisen mit weniger Seetagen sind oft umweltfreundlicher.
  • Landstrom-Häfen wählen: Informiere dich, ob dein Schiff Landstrom nutzt, wenn es im Hafen liegt.
  • Verhalten an Bord: Wasser und Energie sparsam nutzen, Müll trennen und auf unnötigen Verbrauch verzichten.
  • Kompensation prüfen: Manche Reedereien und externe Anbieter bieten CO₂-Kompensationsprogramme an.

Kreuzfahrten im Wandel

Kreuzfahrten sind noch nicht „grün“, aber sie werden Schritt für Schritt nachhaltiger. LNG-Antriebe, Landstrom und Hybridlösungen sind wichtige Bausteine, um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Als Passagier lohnt es sich, genau hinzuschauen, welche Reederei welche Maßnahmen ergreift. So kannst du bewusst wählen – und Teil des Wandels hin zu einer umweltfreundlicheren Kreuzfahrt werden.


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