Archivbild – Die Deutschland noch im ehemaligen Phoenix Reisen-Look in Bremerhaven
Um die MS Deutschland gibt es offene Fragen. Ihre Abschiedssaison bei Phoenix Reisen endete am 5. September 2026 in Bremerhaven, der Bonner Veranstalter hatte den Chartervertrag nicht verlängert. Nun deutet einiges darauf hin, dass auch die Zeit als World Odyssey bei Semester at Sea zu Ende geht.
Warum die Zukunft offen ist
Phoenix Reisen hat die Sommercharter der MS Deutschland nach 2026 nicht verlängert. Das Schiff war für den Veranstalter zuletzt wohl nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. In das rund 28 Jahre Kreuzfahrtschiff hätte nach den Berichten viel investiert werden müssen, sowohl technisch als auch im Hotelbereich. Seit 2015 war die Deutschland bei Phoenix im Einsatz und teilte sich das Jahr mit Semester at Sea, wo sie jeweils von Herbst bis Frühjahr als World Odyssey fuhr.
Am 9. September 2026 stach das Schiff als World Odyssey zu einer rund 105 Tage langen Weltreise ab Rotterdam in See, eine weitere Reise ab Herbst 2027 ist bereits eingeplant. Allerdings hat sich Semester at Sea ab September 2028 die Ambella von Ambassador Cruise Line gesichert, im Rahmen einer zunächst auf zehn Jahre angelegten Partnerschaft. Sofern der Betreiber weiterhin nur ein Schiff einsetzt, dürfte die World Odyssey im Frühjahr 2028 ihre letzte Reise absolvieren.
Stilllegung 2027 und die Suche nach einem Betreiber
Bereits für den Sommer 2027 deutet der aktuelle Stand auf eine Stilllegung hin: Von Anfang Mai bis Anfang September soll das Schiff aufliegen. Im Winter 2027/28 stehen dann möglicherweise die letzten beiden Semester mit Studierenden an. Für die Zeit danach ist aus heutiger Sicht kein Betreiber bekannt. An Bord herrscht den Berichten zufolge ein gewisser Investitionsstau, und der aktuelle Eigentümer will offenbar keine großen Summen investieren. Das war einer der Gründe, weshalb Phoenix Reisen die Sommercharter nicht über 2026 hinaus verlängerte.
Sollte die World Odyssey im Frühjahr 2028 letztmals für Semester at Sea fahren, wird danach ein finanzstarker Käufer für das 1998 gebaute Schiff gesucht. Für einen sinnvollen Weiterbetrieb wäre vermutlich ein hoher Betrag für Kauf und Umbau nötig. Das Schiff bietet Platz für etwas mehr als 500 Gäste. Ob am europäischen oder deutschen Kreuzfahrtmarkt jemand dazu bereit ist, gilt als offen.
Semester at Sea: der zweite Betreiber
Semester at Sea wurde 1963 gegründet und bietet Studierenden aus den USA und weiteren Ländern akademisches Lernen auf internationalen Reisen. Von Beginn an dient ein Passagierschiff als schwimmender Campus, der Ziele in aller Welt anläuft. Bis heute haben nach Angaben des Programms mehr als 73.000 Menschen teilgenommen. Das aktuelle Schiff, die World Odyssey, fährt seit 2015 jeweils von September bis April mit Studierenden.
Ab September 2028 übernimmt die Ambella diese Aufgabe. Nach der geschlossenen Vereinbarung fährt sie pro Jahr acht Monate für Semester at Sea und wird zur Hochsaison als Schiff nur für Erwachsene ab Deutschland eingesetzt. Scott Marshall, President und CEO des dahinterstehenden Institute for Shipboard Education, bezeichnete Ambassador nach eigenen Angaben als passenden Partner und die Ambella als richtiges Schiff für das Programm. Auf einen Verbleib der World Odyssey über das Frühjahr 2028 hinaus deutet derzeit nichts hin.
Vom Traumschiff zur World Odyssey
Die MS Deutschland wurde bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel gebaut und 1998 für die Reederei Peter Deilmann in Dienst gestellt. Getauft wurde sie vom damaligen Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Für die deutsche Reederei fuhr sie im Luxussegment bis zu deren Insolvenz 2014/2015. Bekannt wurde das Schiff auch als Traumschiff des ZDF ab 1999 sowie ab 2006 in der Serie „Kreuzfahrt ins Glück“. 2015 übernahm die Amadea diese Fernsehrollen.
Für Aufsehen sorgte die Deutschland 2012, als die Reederei ankündigte, das Schiff auszuflaggen und künftig in Malta statt in Deutschland zu registrieren. Der damalige Kapitän protestierte damals öffentlich gegen die Sparmaßnahme und überwarf sich mit der Reederei. Nach der Insolvenz wechselte die Flagge zu den Bahamas, unter der das Schiff seitdem fährt. Insgesamt war die Deutschland über 15 Jahre für Deilmann unterwegs, vertretungsweise für Plantours und bis 2026 im Sommercharter von Phoenix Reisen.
Eindrücke der Deutschland während ihrer Zeit bei Phoenix Reisen:



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