In den frühen Morgenstunden des heutigen Freitags kam es an Bord des Kreuzfahrtschiffes World Legacy zu einem tragischen Zwischenfall. Während das unter liberianischer Flagge fahrende Schiff Kurs auf seinen Heimathafen Singapur hielt, brach auf Deck 9 ein verheerendes Feuer aus. Laut lokalen Nachrichtenagenturen forderte der Brand das Leben eines Besatzungsmitglieds und hinterlässt eine geschockte Gemeinschaft von Reisenden.
Alarm um 04:00 Uhr morgens: Passagiere schildern dramatische Szene
Die Katastrophe bahnte sich an, als die meisten der 271 Passagiere und 388 Crewmitglieder noch tief schliefen. Gegen 04:00 Uhr Ortszeit wurden sie durch Alarmsirenen und Klopfen an den Kabinentüren aus dem Schlaf gerissen. Berichte lokaler Medien zitieren Augenzeugen, die von einem beinahe sofortigen Geruch nach verbranntem Material und einer Atmosphäre der Ungewissheit berichten.
Mdm May Lau, eine Passagierin an Bord, schilderte gegenüber lokalen Nachrichtenagenturen, dass das Klopfen an ihrer Tür so eindringlich war, dass sie sofort wusste: Dies ist keine Übung. Den Passagieren blieb kaum Zeit, persönliche Gegenstände oder Dokumente zu greifen. Unter der Anleitung der Crew wurden sie angewiesen, umgehend ihre Schwimmwesten anzulegen und sich auf den tiefer gelegenen Decks zu sammeln. Laut Augenzeugenberichten lokaler Medien bildeten sich große Gruppen auf Deck 7, wo die Menschen in der Dunkelheit darauf warteten, ob sie das Schiff über die Rettungsboote verlassen müssten.
Kampf gegen die Flammen und ein tragisches Opfer
Während die Passagiere in Sicherheit gebracht wurden, kämpfte die Besatzung der World Legacy gegen die Flammen. Das Feuer war in einer Lounge auf Deck 9 ausgebrochen, einem Bereich, der zu dieser Zeit glücklicherweise kaum von Gästen frequentiert war. Dennoch gestalteten sich die Löscharbeiten schwierig. Erst durch das schnelle Eintreffen der spezialisierten Marine-Einheiten der Singapore Civil Defence Force konnte der Brand schließlich vollständig gelöscht werden.
Trotz der schnellen Reaktion konnte ein tragischer Ausgang nicht verhindert werden. Die Schifffahrtsbehörde von Singapur (MPA) bestätigte, dass ein indonesisches Besatzungsmitglied seinen Verletzungen erlag. Der Mann hatte offenbar versucht, das Feuer im Entstehungsstadium einzudämmen. Neben dem Todesopfer wurden vier Passagiere zur weiteren Untersuchung in Krankenhäuser in Singapur gebracht, da sie unter Verdacht auf Rauchgasvergiftungen standen. Die restlichen Reisenden blieben körperlich unverletzt, klagten jedoch über den psychischen Schock der Ereignisse.
Evakuierung und aktuelle Lage im Hafen
Nachdem das Feuer gelöscht und die Decks von den Behörden gesichert worden waren, begann die systematische Evakuierung der Passagiere. Da die World Legacy aufgrund der Schäden an der Elektrizität und den Sicherheitssystemen nicht sofort aus eigener Kraft den Liegeplatz am Terminal anlaufen konnte, wurden Batam-Fast-Fähren eingesetzt. Diese brachten die Reisenden zum HarbourFront Ferry Terminal in Singapur, wo sie von Sanitätern und Seelsorgern in Empfang genommen wurden.
Der aktuelle Status des Schiffes:
- Ankerplatz: Die World Legacy liegt derzeit vor Anker in der Raffles Reserved Anchorage. Dieser Bereich nahe der Inseln Pulau Semakau wird speziell für Schiffe genutzt, die technische Reparaturen benötigen oder polizeilichen Untersuchungen unterliegen.
- Kern-Team an Bord: Während die Passagiere und ein Großteil der Service-Crew das Schiff verlassen haben, verbleibt eine Rumpfbesatzung an Bord. Diese Ingenieure und Sicherheitsoffiziere stellen sicher, dass die Generatoren laufen und die Stabilität des Schiffes gewährleistet bleibt.
- Sicherheitszone: Die MPA hat eine Sperrzone um das Schiff errichtet, um neugierige Drohnen und andere Wasserfahrzeuge fernzuhalten und die Ermittler nicht zu stören. Navigationswarnungen wurden für den Schiffsverkehr in der geschäftigen Straße von Singapur herausgegeben.
Ermittlungen zur Brandursache
Die Frage nach dem „Warum“ steht nun im Zentrum der Untersuchungen. Brandermittler der singapurischen Polizei und Experten der Schifffahrtsbehörde haben das Schiff bereits betreten. Ersten Erkenntnissen zufolge könnte ein technischer Defekt in der elektrischen Anlage der Lounge auf Deck 9 den Brand ausgelöst haben, doch auch menschliches Versagen wird derzeit nicht ausgeschlossen. Laut lokalen Nachrichtenagenturen werden die Aufzeichnungen der Überwachungskameras und das Bord-Logbuch akribisch geprüft.
Der Vorfall betrifft die Reederei World Cruises kurz nach Aufnahme des Betriebs. Das Unternehmen wollte Singapur als Drehkreuz für besondere Kreuzfahrterlebnisse etablieren. Nun muss sich die Reederei nicht nur den Fragen der Ermittler stellen, sondern auch das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. In den kommenden Tagen werden Sachverständige einer Klassifikationsgesellschaft das Schiff begutachten, um das genaue Ausmaß der strukturellen Schäden festzustellen. Erst danach kann entschieden werden, ob und wann die World Legacy für notwendige Reparaturen in eine Werft verlegt werden darf.















