Das Sturmtief „Joshua“ hat am Wochenende für erhebliche Einschränkungen im Schiffsverkehr auf der Elbe gesorgt und den Kreuzfahrtbetrieb in Hamburg durcheinandergebracht. Gleich drei Kreuzfahrtschiffe – AIDAsol, MSC Poesia und AIDAprima – lagen am Sonntag gleichzeitig im Hafen. Die anhaltend starken Windböen, hoher Wasserstand und wechselnde Fahrverbote machten flexible Entscheidungen erforderlich.
Während die AIDAsol mit über einer Stunde Verspätung am Abend ablegen konnte, entschied sich die MSC Poesia für ein früheres Auslaufen. Die AIDAprima dagegen blieb weiterhin im Hafen und wird voraussichtlich erst Montagmorgen die Reise fortsetzen.
Update 27.10: Die AIDAprima konnte Hamburg heute morgen gegen 7 Uhr verlassen. Sie befindet sich jetzt auf dem Weg nach Bergen.
Frühes Anlaufen der AIDAprima am Samstagabend
Bereits am Samstagabend traf die AIDAprima deutlich früher als geplant in Hamburg ein. Eigentlich war das Anlegen des Schiffes erst für den frühen Sonntagmorgen vorgesehen, doch die Reederei entschied sich angesichts der Sturmprognosen, den Zeitplan anzupassen. Gegen 16 Uhr erreichte das 300 Meter lange Kreuzfahrtschiff den Cruise Terminal Steinwerder – nur kurz nachdem die AIDAperla den Hafen in Richtung Süden verlassen hatte.
Hintergrund dieser Entscheidung war die Befürchtung, dass sich die Wetterlage in der Nacht verschlechtern und ein Einlaufen am Sonntagmorgen möglicherweise nicht mehr möglich sein könnte. Die frühzeitige Ankunft erwies sich als richtig, denn die Elbe blieb am Sonntagvormittag zeitweise für größere Schiffe gesperrt.
AIDAsol verlässt Hamburg mit Verspätung
Noch am Sonntagabend konnte die AIDAsol Hamburg wieder verlassen und das nur mit rund 75 Minuten Verspätung. Das Schiff lag am Cruise Terminal Altona und sollte ursprünglich gegen 17 Uhr auslaufen. Erst um 18:15 Uhr wurde die Leinenfreigabe erteilt. Nach dem Verlassen des Hafens fuhr die AIDAsol mit reduzierter Geschwindigkeit elbabwärts und passierte am Abend die Insel Neuwerk.
Trotz der Verzögerung gilt der Ablauf als Erfolg, da das Schiff den engen Zeitkorridor zwischen zwei Windphasen nutzen konnte. Für die Passagiere an Bord verlief der Abend ruhig, und der weitere Reiseverlauf in Richtung Karibik kann planmäßig fortgesetzt werden.
MSC Poesia legt früher ab – Vorsichtsmaßnahme vor möglicher Sperrung
Die MSC Poesia, die im Cruise Center HafenCity lag, reagierte mit einer anderen Strategie auf das Sturmtief. Das Schiff verließ bereits um 20 Uhr den Hafen – eine Stunde früher als vorgesehen. Unterstützt von zwei Schleppern wurde das Kreuzfahrtschiff sicher aus dem Liegeplatz manövrierte.
Der vorgezogene Start war vermutlich eine vorsorgliche Entscheidung, um möglichen Wetterumschwüngen zuvorzukommen. Bereits mehrfach waren auch in den vergangenen Tagen kurzfristige Sperrungen auf der Elbe notwendig geworden, wenn der Wind in Böen über 80 Kilometer pro Stunde erreichte.
Die MSC Poesia setzte nach erfolgreichem Auslaufen Kurs auf die Nordsee und nahm ihre geplante Route in Richtung der Metropolen an der Nordsee auf.
AIDAprima weiterhin im Hafen
Im Gegensatz zu den beiden anderen Kreuzfahrtschiffen konnte die AIDAprima am Sonntag nicht auslaufen. Das Schiff bleibt weiterhin am Terminal Steinwerder festgemacht. Die Abfahrt wird frühestens am Montagmorgen/
-vormittag erfolgen.
Die Entscheidung beruht auf Sicherheitsgründen. Bei einer Länge von knapp 300 Metern und einer Breite von über 37 Metern ist die AIDAprima besonders anfällig für seitliche Winde. Der starke Westwind auf der Unterelbe hätte ein sicheres Manövrieren derzeit unmöglich gemacht.
Herausforderungen für Hafen und Reedereien
Das Zusammenspiel aus Sturm, Hochwasser und Tidenhub stellt die Hafenlogistik jedes Jahr aufs Neue vor Herausforderungen. Besonders im Herbst, wenn Tiefdruckgebiete über Norddeutschland hinwegziehen, müssen Reedereien kurzfristig auf Wetteränderungen reagieren.
Bereits Anfang Oktober war die AIDAperla mehrere Tage im Hamburger Hafen festgesetzt worden, nachdem starke Winde das Auslaufen unmöglich gemacht hatten. Der aktuelle Sturm zeigt erneut, wie wichtig flexible Planungen, schnelle Kommunikation und erfahrene Lotsen für den sicheren Betrieb sind.
Trotz der widrigen Bedingungen verlief der Passagierwechsel am Wochenende weitgehend geordnet. Auch die Versorgung der Schiffe mit Proviant, Treibstoff und technischen Gütern konnte planmäßig abgeschlossen werden.
Ausblick
Sollte sich das Wetter am Montag stabilisieren, könnte die AIDAprima am Vormittag Hamburg verlassen und ihre nächste Reise beginnen. Die AIDAsol und MSC Poesia befinden sich bereits auf dem Weg in Richtung Nordsee.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob sich die Lage weiter entspannt oder ob das Sturmtief „Joshua“ erneut für Verzögerungen sorgt. Sicher ist: Der Hamburger Hafen bleibt in dieser Herbstsaison ein herausfordernder Schauplatz für Kreuzfahrtlogistik und Wettermanagement zugleich.














