Am Mittwoch, den 18. März 2026, ist am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) kein regulärer Passagierflugbetrieb möglich. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind insgesamt 445 Abflüge und Landungen mit rund 57.000 Passagieren, einer der größten Streiktage in der Geschichte des Hauptstadtflughafens.
Warum wird gestreikt?
Der Warnstreik ist kein spontaner Ausbruch, sondern das Ergebnis einer festgefahrenen Tarifrunde. In der zweiten Verhandlungsrunde legte die Arbeitgeberseite ein Angebot vor, das die Verdi-Tarifkommission als nicht verhandelbar zurückwies. Der Grund: Das Angebot sieht für den Zeitraum März bis Juni 2026 null Prozent Lohnerhöhung vor, ab Juli 2026 ein Prozent, ab Juli 2027 eineinhalb Prozent und ab Mai 2028 ein weiteres Prozent – bei einer Laufzeit bis Ende 2028. Über den gesamten Zeitraum ergibt sich damit nur rund ein Prozent Lohnsteigerung pro Jahr. Angesichts der Preisentwicklung bedeutet das für die Beschäftigten einen deutlichen Reallohnverlust.
Verdi fordert dagegen sechs Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 250 Euro zusätzlich pro Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler kommentierte das Arbeitgeberangebot als Provokation am Verhandlungstisch. Zusätzlich stellte die Arbeitgeberseite tarifliche Vorteilsregelungen für Verdi-Mitglieder infrage und weigerte sich, den Ausbildungstarifvertrag neu zu verhandeln.
Die Flughafengesellschaft ihrerseits kritisierte den Streik als unverhältnismäßig, gerade in einer durch den Irankrieg ohnehin angespannten Lage. FBB-Chefin Aletta von Massenbach zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die für den 25. März angesetzte nächste Verhandlungsrunde eine Einigung bringen könnte.
Wer legt die Arbeit nieder?
Zum Streik aufgerufen sind alle Beschäftigten der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – darunter die Flughafenfeuerwehr, die Verkehrsleitung, das Terminalmanagement, die Verwaltung sowie Beschäftigte, die die Flugbetriebsflächen reinigen. Insgesamt arbeiten am BER knapp 2.000 Menschen, am Streiktag sind etwa 400 bis 500 zum Warnstreik aufgerufen. Da jedoch gerade Feuerwehr und Verkehrsleitung für einen sicheren Flugbetrieb unverzichtbar sind, reicht deren Streikbeteiligung aus, um den gesamten Passagierverkehr zum Erliegen zu bringen. Der Streik beginnt ab etwa 5 Uhr morgens.
Was das für Reisende bedeutet
Airlines haben bereits reagiert: Eurowings hat Flüge gestrichen oder an andere Flughäfen verlegt, andere Gesellschaften dürften folgen. Wer am Mittwoch ab Berlin fliegen wollte, sollte die aktuellen Informationen seiner Fluggesellschaft verfolgen und den BER nicht ohne vorherige Bestätigung ansteuern.
Wichtig zu wissen: Streikt das Flughafenpersonal, kann das für Airlines ein nicht beherrschbares externes Ereignis sein – was bedeutet, dass sie wegen außergewöhnlicher Umstände keine Entschädigungszahlungen leisten müssen. Unabhängig davon muss die Airline jedoch die gebuchte Beförderung sicherstellen. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, wendet sich direkt an den Reiseveranstalter, der für das Erreichen des Reiseziels verantwortlich ist.
Auch Kreuzfahrtgäste können betroffen sein
Vereinzelt trifft der Streik auch Kreuzfahrer. So liegt etwa die AIDAcosma am Mittwoch zum Teilpassagierwechsel in Santa Cruz de Tenerife. Wer seinen Anreiseflug gemeinsam mit der Kreuzfahrt gebucht hat, wird von der Reederei oder der Partnerairline direkt kontaktiert und erhält eine alternative Reiseoption. Wer den Flug individuell gebucht hat, muss sich eigenständig um eine neue Verbindung kümmern und sollte sich umgehend an seine Fluggesellschaft wenden.
Wie es weitergeht
Der heutige Streiktag ist möglicherweise nicht das Ende der Geschichte. Sollte die nächste Verhandlungsrunde am 25. März keine nennenswerte Annäherung bringen, sind weitere Eskalationsschritte nicht ausgeschlossen. Wer in den kommenden Wochen über den BER reisen will, sollte die Entwicklungen im Tarifkonflikt im Blick behalten.
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