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Sechs Schiffe im Golf: Was wird aus der Sommersaison?

Alle Gäste sind ausgeflogen, die Crews auf Mindestbesatzung reduziert, und sechs Kreuzfahrtschiffe liegen in Abu Dhabi, Dubai und Doha fest. Die entscheidende Frage ist nun, ob die Schiffe rechtzeitig aus dem Persischen Golf herauskommen, um die Sommersaison zu retten.

Orient-Kreuzfahrt - Blick in die Wüste im Orient mit großen Warnzeichen in der Mitte des Bildes MSC Cruises MSC World Europa

Eineinhalb Wochen nach dem Ausbruch des Irankriegs sind „die Würfel gefallen“: Alle vier Reedereien haben ihre verbleibende Orientsaison abgesagt. Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 (TUI Cruises), MSC Euribia (MSC Cruises), Celestyal Discovery und Celestyal Journey (Celestyal Cruises) sowie die Aroya (Aroya Cruises) liegen in Abu Dhabi, Dubai und Doha fest und kommen so schnell nicht weg. Die Gäste sind mittlerweile komplett ausgeflogen, die Crews auf Mindestbesatzung reduziert. Während die Reedereien ihre verbleibende Orientsaison vollständig abgesagt haben, steht nun auch fest: Auch die ersten großen Sommerreisen im Mittelmeer sind nicht mehr zu halten.

Das Nadelöhr heißt Hormuz

Wer den Persischen Golf verlassen will, kommt an der Straße von Hormuz nicht vorbei. Gerade einmal 50 Kilometer breit an der engsten Stelle, fließen durch diese Meerenge täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl. Das entspricht etwa 30 Prozent des weltweit verschifften Erdöls. Und genau hier liegt das Problem: Die iranische Küste ist nur wenige Seemeilen entfernt, der Iran kontrolliert faktisch jeden Durchgang. Seit Kriegsausbruch blockiert Teheran den Seeweg für zivile Schiffe. Zusätzlich berichten Reedereien von Warnungen des Iran über Funk, während AIS-Daten zeigen, wie sich Dutzende Schiffe vor der Meerenge auf Reede sammeln. Hinzu kommen Berichte über gelegte Seeminen, die das Gebiet zusätzlich unberechenbar machen.

Die Reedereien haben ihre Schiffe deshalb in den sogenannten Hot Layup versetzt: Nautische und technische Besatzung bleibt in ausreichender Stärke an Bord, um jederzeit ablegen zu können, sobald sich ein sicheres Zeitfenster ergibt. Der Zeitpunkt dafür ist vollständig vom Kriegsverlauf abhängig.

Zwei Wege nach Europa – beide unbequem

Wer aus dem Golf nach Europa will, hat grundsätzlich zwei Routen zur Wahl. Die kürzere führt durch das Rote Meer und den Suezkanal. Das sind theoretisch gut zwei Wochen bis ins Mittelmeer. Theoretisch, denn das Rote Meer ist seit den Huthi-Angriffen ohnehin schwer befahrbar, der Irankrieg hat die Lage weiter verschärft. Die Alternative: südlich um Afrika, über den Indischen Ozean und den Atlantik. Realistisch, aber mit rund drei Wochen Fahrtzeit deutlich länger und erheblich teurer.

Sommerfahrplan unter Druck: Mein Schiff, MSC Cruises und Celestyal betroffen

Die anhaltende Blockade im Persischen Golf wirkt sich zunehmend auf den europäischen Sommerfahrplan mehrerer Reedereien aus. Die Mein Schiff 5 von TUI Cruises soll nach aktuellem Stand erst am 15. Mai 2026 verspätet in ihren Mittelmeer-Sommerfahrplan einsteigen. Damit sind bereits die ersten beiden großen Abfahrten der Saison abgesagt. Ob dieser Termin tatsächlich gehalten werden kann, gilt angesichts der unvorhersehbaren Lage am Golf als offen. Für die jeweils rund 2.500 Gäste pro Abfahrt, die kurzfristig auf alternative Reisen umgebucht werden müssen, gibt es auf dem bereits gut ausgelasteten deutschsprachigen Markt kaum freie Kapazitäten.

Die MSC Euribia von MSC Cruises hat ihren Saisonstart in Nordeuropa bereits verpasst. Eine Norwegen-Abfahrt ab Kiel ist abgesagt. Das Schiff lag seit Ende Februar in Dubai fest und konnte die Region nicht rechtzeitig verlassen. Wann die MSC Euribia ihren Betrieb in Nordeuropa aufnehmen kann, ist derzeit nicht bekannt.

Für Celestyal Cruises ist die Lage strukturell anders gelagert. Die Reederei betreibt lediglich zwei Schiffe, beide liegen derzeit fest. Das bedeutet den vollständigen Ausfall des operativen Betriebs für die Dauer der Blockade. Neben den bereits gestrichenen März-Abfahrten und weiteren Absagen für Anfang April gerät auch der geplante Hochsommer-Einsatz im östlichen Mittelmeer in Gefahr, je länger die Situation anhält.

Kreuzfahrtschiffe sind nicht allein

Mehr als 4.000 Seeleute sitzen im Persischen Golf auf über 200 Frachtern fest .Die Kreuzfahrtschiffe sind also in prominenter, aber keineswegs einsamer Gesellschaft. Allein 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien, darunter Hapag-Lloyd, sind betroffen. Das zeigt das eigentliche Ausmaß der Krise: Was für die Kreuzfahrtbranche eine außergewöhnliche Situation ist, trifft die globale Schifffahrt in einem Umfang, der weit über Urlaubsreisen hinausgeht.

Die aktuelle Übersicht: Wann sollen die Schiffe wo sein?

Stand: 17.04.2026 – Alle Termine sind aufgrund der dynamischen Kriegslage unter Vorbehalt und dienen der Orientierung am ursprünglichen Fahrplan.

SchiffNächster geplanter TerminSommerfahrtgebiet
Mein Schiff 4 (TUI Cruises)17.05.2026 ab TriestAdria ab/bis Triest (17.05.2026)
Mein Schiff 5 (TUI Cruises)15.05.2026 ab HeraklionÖstl. Mittelmeer ab/bis Kreta (24.04.2026)
MSC Euribia (MSC Cruises)16.05.2026 ab KielNordeuropa ab/bis Kiel (02.05.2026)
Aroya (Aroya Cruises)14.05.2026 ab DschiddaÖstl. Mittelmeer ab/bis Istanbul (06.06.2026)
Celestyal Discovery (Celestyal)01.05.2026 ab LavrionÖstl. Mittelmeer ab/bis Lavrion (27.03.2026)
Celestyal Journey (Celestyal)02.05.2026 ab PiräusÖstl. Mittelmeer & Adria ab/bis Piräus (04.04.2026)
Poolbereich im Heck eines Kreuzfahrtschiffes
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