Das Auswärtige Amt hat zum 1. Mai 2026 die Reisewarnungen für Bahrain, Jordanien, Katar, den Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate aufgehoben. Diese waren kurz nach Ausbruch des Irankriegs am 28. Februar 2026 herausgegeben worden und hatten den Tourismus in der Region innerhalb kürzester Zeit zum Erliegen gebracht. Kreuzfahrtschiffe blieben in den Häfen, Airlines strichen zahlreiche Verbindungen.
Die Aufhebung der Reisewarnung bedeutet jedoch keine schnelle touristische Erholung. Das Auswärtige Amt weist unter der Rubrik Aktuelles ausdrücklich darauf hin, dass die Sicherheitslage in den genannten Golfstaaten höchst volatil bleibt. Eine erneute Verschärfung einschließlich erheblicher Einschränkungen des Flugverkehrs könne nicht ausgeschlossen werden. Im Irankrieg herrsche zwar aktuell laut Medienberichten eine Waffenruhe, bisherige Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien hätten jedoch noch nicht zu einem Ergebnis geführt.
Begrenzte Auswirkungen auf die Kreuzfahrtbranche
Für die Kreuzfahrtbranche hat die Aufhebung der Reisewarnung zunächst überschaubare praktische Konsequenzen. Ein relevanter Aspekt betrifft die Flugsituation: Die drei großen Golfairlines bauen ihr Angebot zwischen Europa und Asien mit Zwischenlandungen in Abu Dhabi, Doha und Dubai wieder aus. Das erleichtert europäischen Reedereien die An- und Abreise von Crewmitgliedern in asiatische Fahrtgebiete.
Für Gäste ändert sich dagegen wenig. Das letzte noch in asiatischen Gewässern fahrende Schiff einer deutschen Reederei ist derzeit die Mein Schiff 6, die in Südostasien eingesetzt ist. Flugverbindungen mit Zwischenlandung am Golf für Kreuzfahrtpassagiere spielen damit aktuell kaum eine Rolle.
Praktische Auswirkungen hat die Aufhebung der Reisewarnung zudem auf Umbuchungs- und Stornierungsmöglichkeiten für betroffene Reisen, da diese häufig an den offiziellen Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes geknüpft sind.
Orient-Saison 2026/27 bleibt weitgehend abgesagt
An der grundsätzlichen Lage für die Kreuzfahrtbranche ändert die Aufhebung der Reisewarnung nichts. In der Sommersaison spielt die Golfregion für Kreuzfahrtreedereien ohnehin keine Rolle. Für die Wintersaison 2026/27 haben nahezu alle großen Reedereien ihre Orient-Programme bereits abgesagt. TUI Cruises, MSC Cruises, AIDA Cruises, Costa Crociere und Explora Journeys haben ihre geplanten Golf- und Orientrouten gestrichen und alternative Fahrtgebiete angekündigt. Lediglich Aroya Cruises und Celestyal Cruises haben sich zur kommenden Wintersaison noch nicht öffentlich geäußert.
Die nächste vollständige Orient-Kreuzfahrtsaison ist frühestens im Winter 2027/28 denkbar. Ob und in welchem Umfang sie stattfinden kann, hängt vollständig von der weiteren geopolitischen Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten ab. Voraussetzung ist in jedem Fall eine dauerhaft freie und sichere Passage durch die Straße von Hormus.
Die neuen Fahrtgebiete im Überblick:
Explora Journeys weicht ins westliche Mittelmeer aus
Als eine der betroffenen Reedereien setzt Explora Journeys die Explora II im Winter auf Routen im westlichen Mittelmeer ein. Das Programm verbindet bekannte Destinationen mit weniger frequentierten Zielen. Angekündigt sind laut Explora Journeys unter anderem Stopps in Funchal, Casablanca und der Altstadt von Ibiza. Die Reederei hebt dabei den Charakter des Wintermittelmeers hervor: ruhigere Atmosphäre, weniger Touristen und ein intensiveres Erleben der Küstenlandschaften und historischen Städte. Konkrete Routendetails sollen zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert werden.
Costa Smeralda übernimmt Kanaren, Costa Pacifica wechselt ins Mittelmeer
Auch Costa Crociere hat die Neuaufstellung für den Winter 2026/27 konkretisiert. Die Costa Smeralda, die ursprünglich für den Orient vorgesehen war, übernimmt nun das Winterprogramm auf den Kanarischen Inseln und Madeira. Dieses Fahrtgebiet war bislang das Revier der Costa Pacifica. Die Costa Pacifica wiederum geht nach einem Werftaufenthalt im Dezember 2026 mit neuen Routen im westlichen Mittelmeer an den Start und leistet dort der Costa Toscana Gesellschaft. Die neuen Programme beider Schiffe sind laut Costa seit Ende März 2026 buchbar.
AIDAprima fährt Kanaren, Ostsee und Norwegen
AIDA Cruises hat nach der Absage der Orientsaison das Ersatzprogramm für die AIDAprima veröffentlicht. Das Schiff fährt von Oktober 2026 bis Mai 2027 die Kanarischen Inseln, Skandinavien, die Ostsee und die norwegische Küste an. Die Wintersaison startet am 19. Oktober 2026 ab Hamburg mit Westeuropa-Highlights-Routen in Richtung Kanaren. Von Ende Oktober bis Anfang Dezember bilden die Kanarischen Inseln und Madeira den Schwerpunkt ab Gran Canaria. Im Dezember wechselt das Schiff nach Kiel, wo das Weihnachts- und Silvesterprogramm auf der Ostsee stattfindet. Im Januar und Februar folgen Kanaren-Langzeitreisen sowie Ostsee- und Norwegen-Routen ab Kiel.
Mein Schiff Flow übernimmt Nordeuropa und Mittelmeer
TUI Cruises hat als Ersatz für die abgesagte Orientsaison ein Winterprogramm für die Mein Schiff Flow in Nordeuropa und im Mittelmeer aufgelegt. Das Schiff wird am 20. Juni 2026 in Triest getauft und absolviert zunächst eine Mittelmeer-Sommersaison. Ab 23. Oktober 2026 beginnt die Wintersaison mit einem Erstanlauf in Hamburg, gefolgt von Ostsee-Routen ab Kiel und anschließend Norwegen-Kreuzfahrten. Mitte Dezember kehrt das Schiff nach Hamburg zurück, von wo aus Westeuropa- und Norwegen-Fahrten starten, darunter eine elfnächtige Weihnachts- und Silvesterreise sowie eine 20-tägige Kanaren-Rundreise im Februar.
MSC World Europa debütiert in der Karibik
MSC Cruises hat für die MSC World Europa nach der Absage der Orientsaison einen neuen Einsatzort gefunden. Das Schiff wird laut MSC Cruises in der Wintersaison 2026/27 erstmals in der südöstlichen Karibik fahren, mit sieben- bis 14-nächtigen Kreuzfahrten ab Martinique, Guadeloupe und Barbados. Zu den Zielen zählen unter anderem St. Lucia, Grenada, St. Maarten, Antigua und Dominica. Die MSC Seaview, die diese Routen ursprünglich bedienen sollte, wechselt nach Südamerika und wird dort das fünfte MSC-Schiff in der Region. Parallel dazu debütiert laut MSC Cruises im Dezember 2026 der Neubau MSC World Asia im westlichen Mittelmeer.
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