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Wintersaison 2026/27 im Orient: Reedereien ziehen sich zurück

Die großen europäischen Kreuzfahrtreedereien haben bereits erste Entscheidung getroffen: Die Wintersaison 2026/27 im Orient findet eingeschränkt statt. TUI Cruises, MSC Cruises, AIDA Cruises, Costa Crociere und Explora Journeys haben ihre Golf- und Orientprogramme bereits abgesagt – während mehrere ihrer Schiffe noch immer im Persischen Golf auf eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus warten.

Orient-Kreuzfahrt - Blick in die Wüste im Orient mit großen Warnzeichen in der Mitte des Bildes MSC Cruises MSC World Europa

Noch bevor die aktuelle Saison zu Ende ist, haben die ersten großen Kreuzfahrtreedereien eine weitreichende Entscheidung getroffen: Die Wintersaison 2026/27 im Orient wird nicht stattfinden. TUI Cruises, MSC Cruises, AIDA Cruises, Costa Crociere und Explora Journeys haben ihre geplanten Orient- und Golfrouten für den kommenden Winter bereits abgesagt. Die Absagen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem mehrere Schiffe dieser Reedereien noch immer im Persischen Golf festsitzen und darauf warten, die Straße von Hormus sicher passieren zu können.

Wintersaison 2025/26 vorzeitig beendet

Den Ausgangspunkt der Krise bildet der Ausbruch des Irankriegs, der die laufende Wintersaison 2025/26 abrupt beendete. Alle betroffenen Reedereien stellten ihren Betrieb im Orient kurz nach Kriegsausbruch ein, flogen ihre Gäste aus und reduzierten die Besatzungen auf Mindestbesatzung. Seitdem liegen die Schiffe in Abu Dhabi, Dubai und Doha im sogenannten Hot Layup: Die nautische und technische Besatzung verbleibt in ausreichender Stärke an Bord, um jederzeit ablegen zu können, sobald sich ein sicheres Zeitfenster ergibt.

Dieses Zeitfenster lässt weiter auf sich warten. Die Straße von Hormus, an ihrer engsten Stelle rund 50 Kilometer breit, ist für zivile Schiffe seit Kriegsausbruch faktisch blockiert. Täglich fließen durch diese Meerenge nach Branchenangaben rund 20 Millionen Barrel Rohöl, was etwa 30 Prozent des weltweit verschifften Erdöls entspricht. Die iranische Küste liegt nur wenige Seemeilen entfernt. Reedereien berichten von Warnungen über Funk, AIS-Positionsdaten zeigen Dutzende Schiffe auf Reede vor der Meerenge. Zusätzlich kursieren Berichte über gelegte Seeminen im Gebiet. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben liegt nicht vor.

Zwei Routen nach Europa, beide problematisch

Für die festsitzenden Schiffe gibt es grundsätzlich zwei Wege zurück nach Europa. Die kürzere Route führt durch das Rote Meer und den Suezkanal, theoretisch rund zwei Wochen bis ins Mittelmeer. Das Rote Meer ist jedoch seit den Huthi-Angriffen auf Handelsschiffe bereits seit Monaten schwer befahrbar, der Irankrieg hat die Sicherheitslage weiter verschärft. Die Alternative ist eine Umfahrung südlich um Afrika über den Indischen Ozean und den Atlantik. Diese Route dauert realistisch rund drei Wochen und ist erheblich teurer. Beide Optionen setzen voraus, dass die Straße von Hormus zunächst sicher passiert werden kann.

Die Verzögerungen wirken sich bereits auf den europäischen Sommerfahrplan 2026 aus. Die MSC Euribia hat drei Norwegen-Abfahrten ab Kiel und Kopenhagen abgesagt, weitere Streichungen sind wahrscheinlich. Bei TUI Cruises fallen die ersten Mittelmeerreisen der Mein Schiff 4 und der Mein Schiff 5 aus. Auch Griechenland-Routen von Celestyal Cruises sind bereits betroffen. Wann die Schiffe tatsächlich in ihre Sommerfahrtgebiete aufbrechen können, ist vollständig vom weiteren Kriegsverlauf abhängig.

Reedereien sagen Wintersaison 2026/27 ab

Vor diesem Hintergrund haben die großen europäischen Kreuzfahrtreedereien die Entscheidung für die kommende Wintersaison bereits getroffen, ohne abzuwarten, ob und wann sich die Lage normalisiert.

TUI Cruises hat alle Orient-Routen der Mein Schiff Flow für den Zeitraum vom 4. Oktober 2026 bis 1. Mai 2027 abgesagt. Als Ersatz legt die Reederei ein Winterprogramm in Nordeuropa und im Mittelmeer auf. Die Mein Schiff Flow wird nach ihrer Taufe am 20. Juni 2026 in Triest zunächst eine Mittelmeer-Sommersaison absolvieren, bevor sie ab Oktober in Nordeuropa eingesetzt wird.

MSC Cruises hat die Wintersaison 2026/27 der MSC World Europa im Orient ebenfalls abgesagt. Das Schiff wird stattdessen erstmals in der Karibik eingesetzt und übernimmt Routen der MSC Seaview ab Martinique und Guadeloupe. Die MSC Seaview wiederum wird nach Südamerika verlegt.

AIDA Cruises hat die Orientsaison 2026/27 der AIDAprima gestrichen und ein Ersatzprogramm mit Fahrten zu den Kanarischen Inseln, nach Skandinavien und in die Ostsee veröffentlicht. Auch Costa Crociere und Explora Journeys haben ihre Orient- und Golfprogramme für den kommenden Winter abgesagt.

Aroya und Celestyal: Noch keine Aussagen zur Folgesaison

Anders als die europäischen Großreedereien haben Aroya Cruises und Celestyal Cruises zur Wintersaison 2026/27 bislang keine öffentlichen Ankündigungen gemacht. Aroya Cruises, eine saudi-arabische Reederei, hat die laufende Orientsaison 2025/26 zwar ebenfalls abgesagt, plant nach aktuellem Stand jedoch, den Betrieb fortzuführen. Konkrete Aussagen zur Saison 2026/27 liegen nicht vor.

Celestyal Cruises hat die aktuelle Saison ebenfalls vorzeitig beendet und kämpft als Reederei mit lediglich zwei Schiffen mit den Folgen des vollständigen Betriebsausfalls. Zur Wintersaison 2026/27 hat das Unternehmen bislang öffentlich nichts kommuniziert. Angesichts der Tatsache, dass beide Schiffe der Reederei, die Celestyal Discovery und die Celestyal Journey, auf den Einsatz im östlichen Mittelmeer und in der Ägäis spezialisiert sind, dürfte eine Rückkehr in den Orient für Celestyal jedoch ohnehin keine zentrale Rolle spielen.

Kreuzfahrtschiffe nicht allein im Golf

Die festliegenden Kreuzfahrtschiffe befinden sich in prominenter, aber keineswegs einsamer Gesellschaft. Nach Branchenberichten sitzen mehr als 4.000 Seeleute auf über 200 Frachtschiffen im Persischen Golf fest. Allein 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien sind von der Blockade betroffen. Das eigentliche Ausmaß der Krise reicht damit weit über den Kreuzfahrtsektor hinaus und betrifft die globale Handelsschifffahrt in großem Umfang.

Wann sich die Lage normalisiert und ob die für den Winter 2026/27 getroffenen Entscheidungen der Reedereien langfristig Bestand haben werden, hängt vollständig vom weiteren Verlauf des Konflikts ab. Planungen für die Wintersaison 2027/28 im Orient hat bislang keine Reederei öffentlich kommuniziert.

Poolbereich im Heck eines Kreuzfahrtschiffes
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