Die Absagewelle bei TUI Cruises reißt nicht ab. Nur zwölf Tage vor dem geplanten Abfahrtstermin hat die Reederei die Transreise der Mein Schiff 5 von Kapstadt nach Palma de Mallorca gestrichen. Die Reise vom 29. März bis 17. April 2026 findet nicht statt, weil das Schiff noch immer im Hafen von Doha liegt und die Straße von Hormuz weiterhin nicht sicher passierbar ist. Für die betroffenen Gäste bedeutet das eine sehr kurzfristige Suche nach einer Alternative.
Hintergrund: Sechs Wochen im Persischen Golf
Seit dem 28. Februar 2026 bestimmt der Irankrieg den Takt der Kreuzfahrtbranche im Persischen Golf. An diesem Tag griffen die USA und Israel den Iran mit Luftschlägen an. Teheran antwortete mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in der Golfregion. Die Straße von Hormuz, das einzige Nadelöhr zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Ozean, wurde faktisch gesperrt. Sechs Kreuzfahrtschiffe saßen von einem Moment auf den anderen fest: Mein Schiff 4 in Abu Dhabi, Mein Schiff 5 in Doha, dazu MSC Euribia, Celestyal Discovery, Celestyal Journey und die Aroya. Alle Gäste wurden in aufwendigen Sonderflugaktionen nach Hause gebracht. Bis zum 12. März hatte TUI Cruises rund 2.500 Gäste der Mein Schiff 5 sicher ausgeflogen, teils über Riad, teils direkt ab Doha.
Seither liegt das Schiff mit reduzierter Besatzung im Hot Layup. Schon zuvor hatte TUI Cruises schrittweise weitere Reisen gestrichen: zunächst die verbleibenden Orient-Kreuzfahrten, dann den ersten Abschnitt der Transreise von Doha nach Kapstadt. Nun folgt auch der zweite Teil, die Weiterfahrt von Kapstadt nach Mallorca.
Was TUI Cruises betroffenen Gästen anbietet
Die Stornierung erfolgt kostenfrei, der gesamte gezahlte Reisepreis wird zurückerstattet. Als zusätzliche Kulanz erhalten betroffene Gäste ein Mein Schiff Reiseguthaben in Höhe von 10 Prozent des gezahlten Kreuzfahrtanteils ohne Einlösefrist, verwendbar für jede Neubuchung bis Sommer 2027. Das Guthaben wird automatisch eingerichtet und kann wie ein Zahlungsmittel eingesetzt werden.
TUI Cruises schreibt in seiner Mitteilung an betroffene Gäste: Die Reederei habe bis zuletzt gehofft, bald wieder in den regulären Fahrplan einsteigen zu können. Da es keine positiven Entwicklungen vor Ort gebe, sei die Absage unausweichlich geworden. Sollte es zu einem späteren Zeitpunkt eine Transreise für die Mein Schiff 5 geben, wolle man betroffene Gäste direkt kontaktieren.
Weltentdecker-Reisen ebenfalls betroffen
Mit der Transreise entfallen auch die sogenannten Weltentdecker-Reisen der Mein Schiff 5, ein Produkt, das TUI Cruises für lange Streckenabschnitte anbietet und das eine eigene Stammkundschaft hat. Wann diese Gäste eine neue Möglichkeit bekommen, ist derzeit offen.
Wie es weitergeht
Der nächste theoretisch mögliche Abfahrtstermin für die Mein Schiff 5 ist laut TUI Cruises der 17. April 2026, aber auch dieser steht unter dem Vorbehalt der weiteren Entwicklungen am Persischen Golf. Ob die Straße von Hormuz bis dahin passierbar ist, lässt sich derzeit nicht seriös einschätzen. Je länger die Blockade anhält, desto mehr Abfahrten werden folgen, nicht nur bei TUI Cruises, sondern auch bei den anderen betroffenen Reedereien.
Für TUI Cruises ist die Situation besonders belastend: Mit Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 sitzen gleich zwei Schiffe fest, die gemeinsam Platz für rund 5.000 Gäste pro Abfahrt bieten. Kurzfristigen Ersatz gibt es nicht, die deutschsprachige Flotte für den Sommer ist bereits gut ausgelastet. Jede weitere Woche Stillstand bedeutet entgangene Einnahmen und weitere Umbuchungsaufwände, ein Ende ist nicht in Sicht.

















