Die Straße von Hormus ist laut Medienberichten wieder für die internationale Handelsschifffahrt geöffnet. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi teilte am Freitag, dem 17. April 2026, auf dem Kurznachrichtendienst X mit, dass die Meerenge für die Dauer der Waffenruhe im Libanon vollständig freigegeben sei. Auch US-Präsident Donald Trump bestätigte die Öffnung. Die Durchfahrt aller kommerziellen Schiffe erfolge auf einer koordinierten Route, die von der iranischen Hafen- und Schifffahrtsbehörde bekanntgegeben worden sei.
Laut Schiffspositionsdaten ist die Celestyal Discovery von Celestyal Cruises als erstes der festgesessenen Kreuzfahrtschiffe auf dem Weg durch die Meerenge. Das Schiff hat den Hafen Dubai nach vorliegenden Daten um 7:20 Uhr UTC verlassen und befand sich gegen 17:00 Uhr in der Nähe von Khasab an der Spitze der omanischen Halbinsel Musandam. Damit hat die Celestyal Discovery die engste Stelle der Straße von Hormus nach Angaben aus Schiffspositionsdaten bereits hinter sich gelassen. Als nächster Hafen ist Muscat in Oman angegeben, den das Schiff nach aktuellen Daten voraussichtlich morgen gegen 12:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit erreichen soll. Eine offizielle Stellungnahme von Celestyal Cruises zur Durchfahrt liegt bislang nicht vor.
Den aktuellen Standort der Celestyal Discovery kann hier live verfolgt werden:
Die übrigen festgesessenen Kreuzfahrtschiffe, darunter die Mein Schiff 4 und die Mein Schiff 5 von TUI Cruises sowie die MSC Euribia von MSC Cruises, befinden sich laut Schiffspositionsdaten teilweise weiterhin in ihren jeweiligen Häfen. Erste Schiffe beginnen neben der Celestyal Discovery sich auf den Weg zur Straße von Hormus zu machen. Auch von diesen Reedereien liegt bislang keine offizielle Stellungnahme zur Situation vor.
Waffenruhe im Libanon als Auslöser
Die Öffnung der Straße von Hormus steht im Zusammenhang mit der Waffenruhe im Libanon, die in der Nacht zum Freitag in Kraft getreten ist. Dort hatte die proiranische Hisbollah-Miliz seit mehreren Wochen Gefechte mit der israelischen Armee geführt. Als Reaktion auf die Waffenruhe gab der Iran die Meerenge frei. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bestätigte die Waffenruhe und sprach von der Chance auf ein historisches Friedensabkommen.
Die USA hingegen halten trotz der Öffnung der Meerenge an ihrer Seeblockade gegen den Iran fest. Trump erklärte, die Blockade richte sich ausschließlich gegen den Iran selbst und bleibe wirksam, bis die laufenden Gespräche abgeschlossen seien. Weitere Verhandlungen mit Teheran, voraussichtlich erneut unter pakistanischer Vermittlung, seien in Vorbereitung.
Ölpreise fallen deutlich
Die Nachricht über die Freigabe der Meerenge hat die Rohölpreise unmittelbar bewegt. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl fiel um mehr als acht Prozent auf rund 91 US-Dollar, zeitweise auch unter die Marke von 90 Dollar. Der Preis für WTI-Rohöl sank um mehr als neun Prozent auf rund 85,90 US-Dollar je Barrel. Zum Vergleich: Vor Beginn des Irankriegs lag der Brent-Preis bei rund 70 US-Dollar je Barrel, im März hatte er zeitweise die Marke von 120 US-Dollar erreicht.
Internationale Konferenz zur Sicherung der Meerenge
Parallel zur Öffnung der Straße von Hormus berieten am Freitagnachmittag rund 50 Staaten in Paris über eine mögliche militärische Absicherung der Route. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte nach dem Treffen eine vollständige und bedingungslose Wiederherstellung der freien Durchfahrt. Er schloss jegliche Form einer dauerhaften Kontrolle oder eines Mautsystems für die Meerenge aus. Bundeskanzler Friedrich Merz signalisierte grundsätzliche Bereitschaft zur deutschen Beteiligung an einem möglichen Sicherungseinsatz unter bestimmten Bedingungen.
Mögliche Rückkehr zum Normalbetrieb
Sollte die Durchfahrt für alle festgesessenen Schiffe in den kommenden Tagen möglich werden, könnte die Celestyal Discovery nach ihrer Reise durch die Meerenge und entlang der Küste des Indischen Ozeans theoretisch rechtzeitig für die nächste geplante Kreuzfahrt verfügbar sein. Laut Reiseprogramm ist für die Celestyal Discovery eine dreinächtige Greek Discovery-Route ab 1. Mai 2026 geplant. Ob dieser Termin realistisch gehalten werden kann, hängt vom weiteren Verlauf der Reise und möglichen Zwischenstopps für Versorgung und Besatzungswechsel ab. Eine Bestätigung von Celestyal Cruises liegt dazu nicht vor.
Für die anderen festgesessenen Schiffe, darunter die Mein Schiff 4, die Mein Schiff 5 und die MSC Euribia, ist angesichts der bereits abgesagten Sommersaison-Termine selbst bei einer baldigen Abfahrt mit einer mehrwöchigen Überführungszeit zu rechnen, bevor ein regulärer Kreuzfahrtbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

















