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Hawaii steht an einem entscheidenden Wendepunkt seiner Umwelt- und Tourismuspolitik. Lange Zeit sah es so aus, als würde der Inselstaat im Zentralpazifik eine weltweite Vorreiterrolle einnehmen und gerade für Kreuzfahrtbranche viele Auflagen einführen. Doch der neue „Hawai’i Energy Security and Waste Reduction Plan“, der ab 2026 verabschiedet werden soll, liest sich in seiner finalen Fassung deutlich anders als die ursprünglichen Entwürfe. Wo einst radikale Einschränkungen und eine Halbierung der Schiffsanläufe vorgesehen waren, dominieren nun Kompromisse und weitreichende Ausnahmeregelungen.
Die Kehrtwende bei den Anlaufzahlen
Noch im Sommer 2025 herrschte in den Chefetagen der großen Reedereien Unruhe. Der erste Entwurf des Energieplans sah vor, die Zahl der Kreuzfahrtanläufe bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 2023 schlichtweg zu halbieren. Besonders Transpazifik-Reisen und große Schiffe mit mehr als 3.000 Passagieren standen im Fokus der Regulierungsbehörden. Man wollte den Massentourismus auf See massiv einschränken, um die Ökologie der Inseln zu schützen.
In der nun veröffentlichten Endfassung ist von dieser bedingungslosen Halbierung keine Rede mehr. Die Regierung in Honolulu knüpft die Erlaubnis für Hafenanläufe stattdessen an die Nutzung klimafreundlicher Treibstoffe.
Ambitionierte Ziele mit Hintertür
Trotz der Lockerungen hält Hawaii an seinen langfristigen Klimazielen fest. Bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 50 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 sinken. Bis 2045 strebt der Bundesstaat sogar an, „netto-negativ“ zu sein. Um dies im maritimen Sektor zu erreichen, sieht der Plan eine stufenweise Reduktion der Treibhausgas-Intensität der verwendeten Treibstoffe vor.
Bereits ab 2030 müssen Schiffe eine Reduktion um 75 Prozent vorweisen, was fossile Brennstoffe mit Ausnahme von Flüssigerdgas (LNG) praktisch ausschließt. Bis 2045 soll die Reduktion sogar 95 Prozent erreichen. Was auf dem Papier nach einer strengen ökologischen Wende klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als weniger drastisch für die Reedereien. Die Grenzwerte beziehen sich nämlich nicht auf das einzelne Schiff vor Ort, sondern auf den flottendurchschnittlichen Wert der jeweiligen Reederei. Da die Inseln für viele große Flotten nur einen kleinen Teil des weltweiten Fahrplans ausmachen, verwässert dieser statistische Kniff die tatsächliche Wirkung vor Ort erheblich. Experten gehen davon aus, dass diese Regelung vor allem die Frachtschifffahrt treffen wird.
Sonderstatus für die „Pride of America“
Ein besonderer Punkt des neuen Plans ist die vollständige Ausnahme für Schiffe mit Heimathafen in Hawaii. Davon profitiert primär die „Pride of America“ von Norwegian Cruise Line (NCL). Das unter US-Flagge fahrende Schiff ist das einzige große Kreuzfahrtschiff, das ganzjährig zwischen den Inseln kreuzt.
Die Regierung rechtfertigt diesen Sonderstatus mit der unverzichtbaren Rolle des Schiffes für die maritime Wirtschaft und die finanzielle Stabilität der Häfen. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass gerade der Dauerbetrieb dieses Schiffes massiv zu den maritimen Gesamtemissionen Hawaiis beiträgt. Die Behörden räumen ein, dass diese Ausnahme die Erreichung der Klimaziele für 2030 erschwert, setzen jedoch auf eine künftige, freiwillige Zusammenarbeit mit NCL zur Dekarbonisierung.
Neue Steuern ab 2026
Während die technischen Regulierungen aufgeweicht wurden, müssen sich Passagiere dennoch auf höhere Kosten einstellen. Parallel zum Energieplan hat ein Bundesgericht den Weg für eine neue Klima-Abgabe frei gemacht. Ab Anfang 2026 wird eine Steuer von 11 Prozent auf den anteiligen Fahrpreis für die Tage erhoben, die ein Schiff in hawaiianischen Gewässern verbringt. Zusammen mit möglichen Aufschlägen der einzelnen Bezirke könnte die Belastung auf bis zu 14 Prozent steigen.
Die Einnahmen, die auf jährlich rund 100 Millionen US-Dollar geschätzt werden, sollen direkt in Klimaschutzmaßnahmen wie den Küstenschutz und die Bekämpfung von Waldbränden fließen. Trotz Widerstands der Cruise Lines International Association (CLIA), die in der Steuer eine verfassungswidrige Belastung sieht, blieb die zuständige Richterin hart. Hawaii wird damit zum ersten US-Bundesstaat, der eine spezifische Abgabe zur Finanzierung von Klimafolgen direkt von Kreuzfahrtgästen erhebt.
Der neue Plan zeigt deutlich das Spannungsfeld zwischen ökologischer Notwendigkeit und ökonomischer Abhängigkeit. Während die großen Symbole der Branche durch geschickte Verhandlungen weitgehend verschont bleiben, wird der Klimaschutz künftig vor allem über den Geldbeutel der Touristen finanziert.
Noch ist der „Hawai’i Energy Security and Waste Reduction Plan“ allerdings kein verbindliches Gesetz. In einem nächsten Schritt müssen zentrale Bestandteile des Plans erst noch vom Parlament des Bundesstaates Hawaii verabschiedet werden, bevor sie rechtlich wirksam werden.
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