Was lange als Symbol für grenzenlosen Genuss auf See galt, bekommt nun einen Preis: In den Hauptrestaurants zahlreicher Kreuzfahrtschiffe müssen Passagiere künftig extra, wenn sie mehr als ein oder zwei Hauptgerichte bestellen. Damit reagieren die Reedereien auf steigende Lebensmittelpreise, den Wunsch nach weniger Verschwendung – und teils auch auf die enorme Esslust mancher Gäste.
Vom „All you can eat“ zum „Pay if you want more“
Traditionell konnten Kreuzfahrtpassagiere im Hauptrestaurant bestellen, so viel sie wollten. Wer zwei Vorspeisen, drei Hauptgerichte und mehrere Desserts wollte, bekam sie ohne Aufpreis serviert. Diese Zeiten scheinen nun schrittweise zu enden.
Die US-amerikanische Carnival Cruise Line machte 2022 den Anfang: Ab dem dritten Hauptgericht verlangt die Reederei eine Gebühr von fünf US-Dollar. Damit sind pro Abend zwei Hauptspeisen im Preis enthalten, jedes weitere Gericht kostet extra.
Ein Jahr später zog MSC Cruises in den USA nach. Auf Schiffen wie der MSC Seashore, MSC Meraviglia und MSC Divina zahlen Gäste seit 2023 ebenfalls fünf Dollar, sobald sie ein zusätzliches Hauptgericht bestellen. Der Testlauf, zunächst nur auf amerikanischen Routen, wurde nach positiven Rückmeldungen des Unternehmens auf weitere Schiffe ausgeweitet.
Auch Norwegian Cruise Line (NCL) hat im Herbst 2025 eine ähnliche Regel eingeführt. Dort ist im Reisepreis künftig nur noch ein Hauptgericht inklusive. Für jedes weitere berechnet die Reederei ebenfalls fünf Dollar.
Premiumgerichte mit Aufpreis
Ganz neu ist das Prinzip der Zusatzkosten in den Hauptrestaurants allerdings nicht. Schon länger bieten viele Reedereien sogenannte „Premium Selections“ an – aufpreispflichtige Spezialitäten wie Filetsteak, Hummer oder Surf & Turf, die direkt im Hauptrestaurant bestellt werden können. Neu ist jedoch, dass nun selbst klassische Hauptgerichte betroffen sind, die bislang als Teil der Vollpension galten.
Royal Caribbean International verfolgt dabei einen anderen Ansatz: Hier kostet nicht jedes Extra-Gericht Geld, sondern nur bestimmte, besonders teure Zutaten. Wer im kostenlosen Hauptrestaurant mehr als einen Hummerschwanz bestellen möchte, zahlt seit 2023 pro zusätzlichem Stück 16,99 Dollar plus Servicegebühr.
Ziel sei, so die Reederei, sowohl die Qualität zu sichern als auch übermäßige Bestellungen zu vermeiden. In sozialen Netzwerken prahlten Passagiere zuvor damit, bei einem Abendessen bis zu 15 Hummerschwänze gegessen zu haben – ein Szenario, das betriebswirtschaftlich kaum tragbar ist.
Reedereien begründen Gebühren mit steigenden Kosten
Offiziell erklären die Unternehmen die neue Regelung vor allem mit gestiegenen Lebensmittelpreisen und dem Ziel, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Auf Großschiffen, auf denen täglich mehrere Tausend Mahlzeiten serviert werden, können schon kleine Änderungen große Einsparungen bedeuten.
Ein Branchenmanager erklärte einmal, dass eine einzige Garnele weniger pro Vorspeise dem Unternehmen jährlich mehrere Hunderttausend Dollar spare. In Zeiten, in denen die Rohstoffpreise für Fleisch, Fisch und Gemüse stark schwanken, werden solche Details zur entscheidenden Kalkulationsgröße.
Zudem verweisen viele Reedereien auf die Problematik des sogenannten „Food Waste“. Viele Passagiere würden aus Neugier oder Überfluss bestellen, was sie gar nicht vollständig essen. Durch die kleine Gebühr hoffen die Anbieter, bewussteres Verhalten zu fördern, ohne den gastronomischen Standard an Bord zu senken.
Auch Personal- und Zeitfaktoren spielen eine Rolle
Neben den Kosten für Lebensmittel haben die Änderungen auch praktische Gründe. Nach der Pandemie kämpfen Kreuzfahrtgesellschaften weiterhin mit Personalmangel in Küche und Service. Zusätzliche Hauptgerichte bedeuten längere Zubereitungszeiten und mehr Aufwand für das Personal.
Gleichzeitig sollen die Restaurantbesuche gestrafft werden. Royal-Caribbean-Chef Michael Bayley erklärte Anfang 2023, man wolle die Dauer des Abendessens auf etwa 75 Minuten begrenzen, um den Ablauf effizienter zu gestalten. Weniger Gänge und klarere Menüstrukturen tragen dazu bei, die Arbeit für die Crew zu erleichtern und Wartezeiten zu reduzieren.
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Neue Preispolitik auf Kreuzfahrtschiffen
Das Vorgehen der Reedereien reiht sich in eine breitere Preisstrategie ein, die im Kreuzfahrtgeschäft seit Jahren zu beobachten ist. Der Grundpreis für eine Reise soll möglichst attraktiv wirken – die Gewinne entstehen über Zusatzangebote an Bord: Getränke, Ausflüge, Spezialitätenrestaurants oder Spa-Leistungen. In den USA wird diese Praxis als „nickel and diming“ bezeichnet – sinngemäß: viele kleine Extrakosten, die sich summieren.
Für die Reedereien ist das Modell eine Möglichkeit, den Grundpreis niedrig und kalkulierbar zu halten. Gäste entscheiden selbst, wie viel sie an Bord zusätzlich ausgeben möchten. Kritik gibt es dennoch: Mancher Passagier empfindet die wachsende Zahl kostenpflichtiger Zusatzleistungen als übertrieben oder sogar als „Abzocke“.
Andere sehen darin kein Problem, solange die Regeln transparent kommuniziert werden. Wer sich auf die inkludierten Angebote beschränkt, kann weiterhin günstig reisen – wer mehr möchte, zahlt entsprechend.
Wandel in der Bordgastronomie
Die Einführung von Gebühren für zusätzliche Hauptgerichte markiert einen Wandel in der Bordgastronomie. Während früher die unbegrenzte Auswahl als Teil des Kreuzfahrterlebnisses galt, setzen Reedereien heute stärker auf Effizienz und Kostentransparenz.
Für die meisten Gäste dürfte der neue Aufpreis kaum spürbar sein – wer jedoch regelmäßig mehrere Hauptgerichte bestellt, muss künftig etwas tiefer in die Tasche greifen. Ob sich dieses Modell langfristig durchsetzt, hängt nicht nur von der Akzeptanz der Passagiere ab, sondern auch davon, wie weit andere Reedereien diesem Beispiel folgen werden.














