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MS Astoria: Ehemaliges DDR-Traumschiff wird in Gent verschrottet

Im Hafen von Gent wird die MS Astoria (Bj. 1948) abgewrackt. Die Ex-MS Völkerfreundschaft der DDR wurde 2025 für 200.000 € verkauft. Mit 78 Jahren endet die Ära des Rekord-Oldtimers, der 1956 durch die Kollision mit der Andrea Doria bekannt wurde.

Sonnenuntergang mit Kreuzfahrtschiff Heritage Discoverer Celestyal Astoria

Das belgische Recyclingunternehmen Galloo wrackt derzeit im Hafen von Gent die MS Astoria ab. Das Schiff hatte 2025 für 200.000 Euro den Besitzer gewechselt und war Mitte des Jahres mit zwei Schleppern von Rotterdam nach Gent gebracht worden. Mit der Verschrottung endet die Geschichte eines der ältesten und bekanntesten Kreuzfahrtschiffe der Welt, das im Jahr 1948 vom Stapel gelaufen war.

Von der MS Stockholm zur MS Völkerfreundschaft

Das Schiff wurde 1948 in Göteborg als MS Stockholm gebaut und als Transatlantikliner auf der Route nach New York eingesetzt. Acht Jahre später verstrickte es sich in eine der folgenreichsten Schiffskatastrophen der Nachkriegszeit: Im Jahr 1956 kollidierte die MS Stockholm in einer Nebelbank vor der Küste von Nantucket mit dem italienischen Passagierdampfer Andrea Doria. Der Zusammenstoß riss die Andrea Doria an der Steuerbordseite auf, das Schiff sank elf Stunden nach der Kollision. Dabei kamen 46 Menschen auf der Andrea Doria und fünf Passagiere der MS Stockholm ums Leben. Die MS Stockholm half anschließend bei der Rettung der Schiffbrüchigen, kehrte nach New York zurück und erhielt dort einen neuen Bug.

25 Jahre als einziges Kreuzfahrtschiff der DDR

Ab 1960 fuhr das Schiff unter dem Namen MS Völkerfreundschaft als erstes und einziges Kreuzfahrtschiff der DDR. Der Betrieb unterlag engen politischen Vorgaben: An Bord durften ausschließlich SED-treue Passagiere reisen, angelaufen wurden nur Häfen in kommunistischen Ländern, von der Sowjetunion bis nach Kuba. Dennoch sollen einige Reisende die Fahrten für Fluchtversuche in den Westen genutzt haben. 25 Jahre lang blieb die MS Völkerfreundschaft das einzige schwimmende Urlaubsprivileg des sozialistischen Staates und erlangte damit eine bis heute nachwirkende Bekanntheit in Deutschland.

Mehrfacher Namenswechsel nach der Wende

Nach dem Ende der DDR wechselte das Schiff mehrfach Eigentümer und Namen. Seit 2016 fuhr es unter dem Namen MS Astoria und wurde von Cruise and Maritime Voyages (CMV) gechartert. CMV war damit der letzte Betreiber des Schiffes im aktiven Einsatz. Die letzte Kreuzfahrt mit Passagieren an Bord, überwiegend britische Gäste, fand zu Beginn der Covid-19-Pandemie 2020 statt.

Jahrelanger Stillstand in Rotterdam

Nach dem Ende des aktiven Betriebs lag die MS Astoria mehrere Jahre im Waalhaven in Rotterdam auf und wurde wiederholt erfolglos zum Verkauf angeboten. Erst 2025 ersteigerte das Recyclingunternehmen Galloo das Schiff für 200.000 Euro. Zwei Schlepper brachten die Astoria anschließend nach Gent, wo sie nun in ihre Einzelteile zerlegt und weitestgehend recycelt wird.

Ungewöhnlich hohes Alter bei der Verschrottung

Mit 78 Jahren ist die MS Astoria erheblich älter als die meisten Schiffe, die in den vergangenen Jahren abgewrackt wurden. Zum Vergleich: Schiffe wie die Fantasy-Klasse von Carnival Cruise Line oder mehrere Einheiten von Pullmantur Cruises waren zum Zeitpunkt ihrer Verschrottung zwischen 25 und 40 Jahre alt. Die MS Astoria zählt damit zu den ältesten Kreuzfahrtschiffen, die je in den aktiven Dienst gestellt wurden.

Poolbereich im Heck eines Kreuzfahrtschiffes
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