Aroya Cruises hat seine Erstausgabe der Arabischen-Golf-Saison vorzeitig beendet. Alle verbleibenden Abfahrten bis zum geplanten Saisonschluss am 8. Mai wurden gestrichen. Damit reiht sich die saudi-arabische Reederei in eine wachsende Liste von Kreuzfahrtunternehmen ein, die ihre Golfprogramme infolge der eskalierenden Sicherheitslage im Persischen Golf eingestellt haben.
Wer ist Aroya Cruises?
Für viele europäische Leser dürfte Aroya Cruises noch ein unbekannter Name sein. Die Reederei wurde 2023 unter dem Dach von Cruise Saudi gegründet, einem Unternehmen des saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund, und versteht sich als erste arabische Kreuzfahrtlinie der Welt. Der Name setzt sich aus den Wörtern „Arabian“ und „Roya“ zusammen, dem arabischen Begriff für Vision oder Traum.
Das Schiff, das unter dem Namen Aroya fährt, war ursprünglich als World Dream für den asiatischen Kreuzfahrtmarkt gebaut worden. Nach der Insolvenz der Genting-Gruppe wurde es 2023 von Cruise Saudi erworben, umfassend umgebaut und im Dezember 2024 als Aroya in Dienst gestellt. Das Flaggschiff fasst 3.362 Passagiere und bietet 14 Restaurants, acht Lounges und Cafés sowie ein breites Unterhaltungs- und Wellnessprogramm.
Im ersten Betriebsjahr begrüßte Aroya Cruises mehr als 140.000 Gäste aus Saudi-Arabien, den Golfstaaten, Europa und Zentralasien. Die Golfpremiere im Februar 2026 war dabei ein wichtiger nächster Schritt: Erstmals verließ das Schiff sein angestammtes Rotes-Meer-Revier und bot Sieben-Nächte-Routen ab Dammam, Dubai, Abu Dhabi und Doha an.
Saison nach zwei Wochen beendet
Die Premiere wurde jäh unterbrochen. Die Golfsaison hatte am 21. Februar 2026 begonnen, sollte bis 8. Mai laufen und endete nach knapp drei Wochen. Alle Gäste wurden am 7. März sicher in Dubai ausgeschifft. Laut Aroya Cruises hatten die Passagiere an Bord verbleiben müssen, während das Unternehmen in enger Abstimmung mit Fluggesellschaften und lokalen Behörden die Weiterreisemöglichkeiten koordinierte.
Das Schiff hatte auf seinen Sieben-Nächte-Routen Häfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman und Katar angelaufen: Khasab, Muscat, Abu Dhabi, Doha und die Privatinsel Sir Bani Yas Island. Mit der Einstellung des Betriebs entfällt dieser Teil des Programms für die gesamte restliche Saison.
Einordnung: Alle großen Golf-Reedereien betroffen
Aroya ist nicht allein. Seit Ende Februar 2026 haben alle europäischen und regionalen Kreuzfahrtanbieter, die Schiffe im Persischen Golf stationiert hatten, ihre Operationen eingestellt oder stark eingeschränkt. TUI Cruises hat alle Abfahrten der Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 aus der Region abgesagt und organisiert die Heimreise der Gäste über Sonderflüge. MSC Cruises hat die MSC Euribia in Dubai festgemacht und vier März-Abfahrten gestrichen. Celestyal Cruises hat beide Schiffe ausgeschifft und zwei weitere Ägäis-Abfahrten im März abgesagt.
Für Aroya Cruises ist die Situation besonders heikel: Das Unternehmen ist Teil der saudi-arabischen Vision-2030-Strategie zur Entwicklung des heimischen Tourismus. Dass ausgerechnet die erste Golfpremiere der Reederei von einem regionalen Konflikt beendet wird, ist ein empfindlicher Rückschlag für ein Projekt, das politisch wie wirtschaftlich stark aufgeladen ist. Wann und in welcher Form die Golfsaison fortgesetzt werden kann, ist derzeit offen.
Ausblick: Kurs Mittelmeer
Trotz des vorzeitigen Saisonendes dürfte Aroya Cruises den Blick schnell nach vorne richten. Das Programm für 2026 sieht neben der Golfregion auch eine Mittelmeer-Saison vor, mit Anlaufhäfen in Saudi-Arabien, Ägypten, der Türkei und Griechenland. Bereits im Sommer 2025 hatte das Schiff erfolgreich eine Mittelmeer-Saison absolviert und war von Istanbul aus zu Zielen in Griechenland und der Türkei aufgebrochen. Die Infrastruktur und die operative Erfahrung für das Mittelmeer sind damit vorhanden.
Wann die Aroya die Golfregion verlassen und in Richtung Europa aufbrechen kann, hängt wie bei allen anderen betroffenen Schiffen von der weiteren Entwicklung der Sicherheitslage ab. Der direkte Weg durch die Straße von Hormuz, das Rote Meer und den Suezkanal ist derzeit nicht realisierbar. Sollte sich die Lage nicht schnell entspannen, droht auch der Mittelmeer-Saisonstart unter Druck zu geraten.
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