Die Kreuzfahrtbranche zieht erste langfristige Konsequenzen aus dem Irankrieg: AIDA Cruises und Costa Kreuzfahrten sind die ersten Reedereien, die ihre komplette Wintersaison 2026/27 im Orient offiziell abgesagt haben. Damit wird aus einer kurzfristigen Krisenreaktion eine strategische Entscheidung mit Blick auf die kommende Saison, lange bevor der erste Gast gebucht hätte.
Der Hintergrund: Sechs Schiffe, eine gesperrte Meerenge
Seit dem 28. Februar 2026 hält der Irankrieg die Kreuzfahrtbranche in Atem. USA und Israel führten in den frühen Morgenstunden Luftschläge gegen den Iran durch, Teheran antwortete mit Raketenangriffen. Seitdem blockiert der Iran die Straße von Hormuz, die einzige Meeresverbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Ozean, gerade einmal 50 Kilometer breit an der engsten Stelle. Sechs Kreuzfahrtschiffe sitzen seither in den Häfen von Abu Dhabi, Dubai und Doha fest: Mein Schiff 4 und 5, MSC Euribia, Celestyal Discovery und Celestyal Journey sowie die Aroya. Passagiere sind alle ausgeflogen, wann die Schiffe die Region verlassen können, ist weiterhin offen.
Für die Saison 2025/26 hatten AIDA und Costa bereits im Juli 2025 vergleichsweise früh reagiert und ihre Orient-Reisen gestrichen. Norwegian Cruise Line hatte ihre Pläne sogar schon im November 2024 angepasst. Mit der jetzigen Entscheidung für 2026/27 setzt sich dieses Muster fort, diesmal unter dem unmittelbaren Eindruck eines laufenden Krieges.
AIDAprima: Absage steht, neues Programm folgt
Für die AIDAprima gilt: Alle Reisen mit Abfahrt ab 19. Oktober 2026 bis Reiseende 20. Mai 2027 im Nahen Osten sind gestrichen. Mit ihnen entfallen auch die geplanten Positionierungsfahrten rund um Afrika, die das Schiff in die Region überführt und zurückgebracht hätten. Einzige Ausnahme bleibt die Reise „Westeuropa-Highlights ab Hamburg 1″ vom 19. Oktober bis 1. November 2026 von Hamburg nach Gran Canaria.
Wohin die AIDAprima im Winter 2026/27 stattdessen fahren wird, hat AIDA Cruises noch nicht kommuniziert. Die neuen Reisen sollen ab Mitte April 2026 buchbar sein. Gäste mit bestehenden Buchungen können bereits jetzt auf eine alternative Route umsteigen. Bei Umbuchung bis zum 10. Mai 2026 gibt es 200 Euro Bordguthaben pro Kabine (100 Euro bei Einzelbelegung).
Costa Smeralda übernimmt Kanaren und Madeira
Bei Costa Kreuzfahrten ist die Neuaufstellung konkreter. Die Costa Smeralda, die eigentlich für den Orient vorgesehen war, übernimmt nun das Winterprogramm auf den Kanarischen Inseln und Madeira. Das ist bislang das Revier der Costa Pacifica. Die Costa Pacifica wiederum geht nach einem Werftaufenthalt im Dezember 2026 mit neuen Routen im westlichen Mittelmeer an den Start und leistet dort der Costa Toscana Gesellschaft. Die neuen Programme beider Schiffe sollen laut Costa ab Ende März 2026 buchbar sein.
Wer plant noch im Golf?
AIDA und Costa sind bislang die einzigen Reedereien mit offiziellen Absagen für 2026/27. Noch im Programm für den kommenden Winter stehen die Mein Schiff Flow von TUI Cruises sowie MSC World Europa und die Explora II. Von TUI Cruises und MSC gibt es bislang keine Streichungen, wobei beide Reedereien aktuell ohnehin damit beschäftigt sind, ihre festsitzenden Schiffe aus der Region zu bekommen, sobald die Straße von Hormuz wieder passierbar ist.

















