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3 Länder, 3 Schiffe, eine Reise: Unsere Ostsee-Rundreise mit Tallink Silja Line

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Lesedauer: 19 Minuten

Ostseerundreise

Werbung | Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperationsreise mit Tallink Silja Line. Das Home Hotel Jugend Helsinki und das Tallink City Hotel Tallinn haben uns die Unterkunft freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf die Berichterstattung und wir haben ausschließlich unsere eigenen Erfahrungen und Eindrücke geschildert.

Stockholm, Helsinki, Tallinn. Drei Hauptstädte in einer Woche, drei Schiffe, eine Reederei. Die Fragen, die uns vorher beschäftigt haben: Was erwartet uns eigentlich? Kreuzfahrtfeeling auf einer Fähre? Schnöder Transport von A nach B? Irgendwo dazwischen?

Die Antwort ist: keines von beidem. Und das hat uns am meisten überrascht.

Wir teilen hier unsere Highlights und Eindrücke und geben euch einen genauen Blick darauf, was die drei Schiffe, die drei Städte und das Gesamtkonzept dieser Rundreise wirklich ausmacht.

Die Reiseroute mit Tallink Silja Line im Mai 2026

1. Stockholm: Zwei Tage in der schwedischen Hauptstadt

Angereist mit dem Flugzeug aus Düsseldorf, hatten wir zwei volle Tage für Stockholm und wir hatten Glück mit dem Wetter. Strahlend blauer Himmel die ganzen zwei Tage, das macht natürlich einen Unterschied, wenn man eine Stadt zum ersten Mal sieht.

Gamla Stan & Königliches Schloss

Die Gamla Stan war für uns natürlich das erste Pflichtprogramm. Das nehmen sich natürlich andere auch vor und es ist oft sehr voll. Der Trick liegt im Timing. Wer früh morgens durch die engen Kopfsteingassen läuft, hat sie fast für sich allein. Wer von den Hauptwegen abweicht, findet sogar mittags noch Gassen, in denen kaum jemand unterwegs ist. Wer in der Altstadt ist, sollte in die Mårten Trotzigs Gränd. Sie ist mit nur 90 Zentimetern die engste Gasse Stockholms. Man muss sich fast schon seitlich durchschieben. Es ist übrigens enger als man denkt.

Die Altstadt Gamla Stan in Stockholm

Das Königliche Schloss lässt sich ohne Führung besichtigen: königliche Gemächer, Kronschätze, sogar das Hochzeitskleid der Königin. Das Highlight ist die Wachablösung um 12:15 Uhr im Innenhof. Wer zu spät kommt, sieht nur Rücken. Rechtzeitig da sein lohnt sich daher. Zudem sollte man Zeit mitbringen und nicht zu früh gehen (wie wir an dem Tag 😉 denn häufig kommen noch Pferde-Paraden, auch wenn es Anfangs vielleicht erst unspektakulärer ausieht.

Die Wachablösung im Innenhof des Stockholmer Schloss
Die Wachablösung im Innenhof des Stockholmer Schloss

Tipp: Wer einen Panoramablick auf die Gamla Stan will, geht zur Skeppsholmen-Brücke. Diese verbindet die Insel Skeppsholmen mit dem Stadtteil Norrmalm. In der Mitte des Geländers steckt eine goldene Krone. Der Blick auf Schloss und Altstadt ist besonders zum Sonnenuntergang außergewöhnlich schön.

Blick von der Skeppsholmsbron auf Stockholm
Der Blick von der Skeppsholmen-Brücke

Rathaus & Ausblicke

Das Stockholmer Rathaus liegt nahe der Gamla Stan. Die Innenräume, darunter der Goldene Saal, sind nur mit Führung zugänglich. Wer kurzfristig plant: nach 12 Uhr sind die meisten Zeitfenster weg. Auch hier gilt: am besten morgens direkt Tickets holen und dann zur Einlasszeit zurückkommen. Der Innenhof und der angrenzende Stadshusparken sind dagegen jederzeit frei zugänglich. Unter den Torbögen direkt am Wasser hat man einen ruhigen Blick auf die Altstadt, ohne Gedränge.

Tunnelbana: Kunst unter der Erde

Das haben wir nicht erwartet: Die Stockholmer U-Bahn (auch bekannt als Tunnelbana) ist tatsächlich eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Über 90 Stationen, viele davon mit Kunstinstallationen direkt im Fels. Unsere drei Favoriten: T-Centralen mit blauen Pflanzenmotiven auf weißem Untergrund, Kungsträdgården, das wie eine unterirdische Ausgrabungsstätte wirkt, und Rådhuset mit dramatischen roten Gesteinsformationen.

Praktisch: Man kann direkt mit der Kreditkarte an der Eingangsschranke zahlen und muss kein Ticket vorher online kaufen. Für aktuell rund 4 Euro gibt es ein 75-Minuten-Ticket mit unbegrenzten Umstiegen. Die Züge fahren zur Hauptzeit alle fünf bis zehn Minuten. Das ist genug Zeit, um an einer Station zu verweilen, ohne lange auf den nächsten Zug zu warten.

Die Tunnelbana-Station Centralen
Die Tunnelbana-Station Centralen

Djurgården & Gröna Lund

Mit der Fähre 82 von der Gamla Stan kommt man direkt nach Djurgården. Schon beim Anlegen sieht man die Achterbahnen des Vergnügungsparks Gröna Lund. Die Stimmung dort ist etwas Besonderes: Man steht unter den Achterbahnen, während sie über einen hinwegrauschen, Wasser auf beiden Seiten, Stockholmer Skyline im Rücken. Direkt daneben liegt das Nordiska Museet mit seiner Neorenaissance-Fassade. Außerdem befindet sich für ABBA-Fans das ABBA-Museum ganz in der Nähe des Vergnügungsparks.

Stockholm hat noch viel mehr zu bieten. Alle unsere Detailtipps für den Landgang findet ihr hier: https://cruise-ahoi.de/blog/stadt/praktische-reisetipps-fuer-deinen-staedtereise-nach-stockholm-mit-dem-kreuzfahrtschiff/. Für uns war die Stadt aber erst der Startpunkt. Als Nächstes heißt es: Leinen los in Richtung Helsinki.


Silja Symphony: Eine schwimmende Stadt [Stockholm nach Helsinki]

Unser nächstes Kapitel beginnt am Fährterminal Värtahamnen in Stockholm. Hier wartet schon die Silja Symphony von Tallink Silja Line auf uns. Ein kleiner Tipp zur Anreise: Wer mit der Tunnelbana anreist, plant ab der nächsten Station am besten 10–15 Minuten Fußweg ein. Der Check-in hingegen läuft sehr schnell und supereasy. An den digitalen Terminals gibt man die Buchungsnummer ein oder scannt den QR-Code, die Bordkarten werden sofort gedruckt. Wer lieber an einem Schalter eincheckt, kann das auch, dort fällt aber eine kleine Servicegebühr an. Pünktlich um 15:15 Uhr öffnete das Boardinggate. Und kaum haben wir das Schiff betreten, ist klar: Das hier ist kein gewöhnliches „Transportmittel“.

Blick auf die Silja Symphony

Die Promenade: Ein Konzept, das die Kreuzfahrtindustrie verändert hat

Das Herzstück der Silja Symphony ist die Promenade. Das ist eine Art überdachte Fußgängerzone, die sich über mehrere Decks erstreckt. Glasdach, Tageslicht, auf beiden Seiten Restaurants, Cafés, Bars und Shops. Man läuft rein und fragt sich kurz, ob man wirklich auf einem Schiff steht. Was die wenigsten wissen: Die Silja Symphony war eines der ersten Kreuzfahrtfährschiffe weltweit mit einer solchen Innenboulevard. Große amerikanische Kreuzfahrtreedereien haben das Konzept später übernommen. Das Original fährt seit 1991 zwischen Stockholm und Helsinki.

Entlang der Promenade reihen sich ganz unterschiedliche gastronomische Konzepte: die Fast Lane für ein schnelles Essen zwischendurch, Sushi & Co. (eine Besonderheit gegenüber dem Schwesterschiff Silja Serenade, täglich von Frühstück bis Abend geöffnet), Bon Vivant mit nordisch-saisonaler Speisekarte, Happy Lobster für Meeresfrüchte und das Café Coffee & Co im urban-industriellen Stil. Am späten Nachmittag spielte mitten auf der Bühne in der Promenade eine Live-Band. Wir haben uns einfach dazugestellt. Kein Eintritt, kein Reservieren, einfach da sein.

Kabine, Schären & Sonnenuntergang

Unsere Kabine war eine Deluxe Sea View auf Deck 11. Sie war direkt nach dem Check-In schon bezugsfertig, ruhig, mit Meerblick. Nach einer kurzen Pause erkundeten wir das Schiff weiter. Ganz oben auf Deck 12 gibt es ein großes Außendeck, von dem man bis nach vorne zur Brücke laufen kann. Auf Deck 7 gibt es eine weitere Außenpromenade direkt über dem Wasser, mit Holzboden. Ein Detail, das dem Ganzen ein wärmeres Flair gibt als man von einer Fähre erwartet. Für Hundebesitzer gibt es oben einen eigens eingerichteten Bereich auf dem Außendeck.

Eine Deluxe Sea View an Bord der Silja Symphony
Unsere Deluxe Sea View Kabine an Bord der Silja Symphony

Um 16:30 Uhr hieß es Leinen los. Was dann folgte, ist einer der Momente dieser Reise, die man nicht so schnell vergisst: die Fahrt durch die schwedischen Schären. Tausende kleine Inseln ziehen am Schiff vorbei, manche so nah, dass man die Felsen fast greifen könnte. Besonders eindrücklich ist die enge Passage an der Fredriksborg-Festung. Das Schiff fährt direkt an einer alten Festungsanlage vorbei, die Felsen reichen nah heran. Wer sich auf Deck 7 aufhält, ist dabei fast auf Augenhöhe mit dem Wasser. Das ist einer der Momente, für die es sich lohnt, nicht in der Kabine zu sitzen.

Fahrt durch die schwedischen Schären

Danach haben wir den Tax-Free-Superstore auf Deck 6 besucht. Man geht rein und er hört einfach nicht auf. Von Alkohol über Snacks bis Kosmetik und Hautpflege ist wirklich alles vorhanden. Das Beste: Alles gibt es zu steuerfreien Preisen, dank des nächtlichen Zwischenstopps in Mariehamn auf den Ålandinseln, die außerhalb der EU-Mehrwertsteuerzone liegen. Wer die Inseln nicht kennt: Sie gehören zu Finnland, haben aber einen Sonderstatus, der Tax-Free-Einkäufe auf dieser Route ermöglicht.

Grande Buffet & Starlight Palace

Um 19:30 Uhr hatten wir unser Abendessen im Grande Buffet. Das Konzept mit der Sitzplatzkarte am Eingang finden wir durchdacht: Man bekommt einen festen Platz zugewiesen, kann sich direkt bedienen und muss sich keine Gedanken um freie Tische machen. Die Auswahl war groß, von Kaviar und frischem Lachs bis zum Schokobrunnen als Dessert-Abschluss. Als wir fertig waren, wartete draußen noch ein Sonnenuntergang auf der offenen Ostsee. Gutes Timing ist bei Schiffsreisen immer wichtig.

Der Sonnenuntergang auf der Ostsee

Gegen 22 Uhr begann im Starlight Palace, dem Theater des Schiffes, das richtige Abendprogramm. Vorher gab es für Kinder verschiedenste Aktivitäten mit Harri the Seal, dem Schiffsmaskottchen, dann übernahm eine Live-Band die Bühne. Um 23 Uhr folgte der Höhepunkt: eine Drag-Queen-Performance von Jukka K. Outfitwechsel in Sekundenbruchteilen, Lip-Sync durch Jahrzehnte der Popgeschichte, Standing Ovations. Das Theater war voll, die Stimmung ausgelassen. Wir konnte in diesem Moment kaum glauben, dass man sich noch auf einer Fähre befand.

Morgens: Frühstück & Einfahrt an der Suomenlinna-Festung

Am nächsten Morgen hatten wir das Spezialfrühstück im Tavolàta. Wir fanden es ruhiger und entspannter. Es ist zwar eine kompaktere Auswahl als das Grande Buffet, aber dafür ohne den Trubel des Hauptrestaurants. Wer die Wahl hat: Es lohnt sich.

Das absolute Highlight der Einfahrt nach Helsinki ist die enge Passage an der Festung Suomenlinna. Rechtzeitig auf Deck gehen. Das Schiff fährt so nah an Felsen und Mauern vorbei, dass kaum Raum zu sein scheint. Kreuzfahrtschiffe legen normalerweise weiter außerhalb an und fahren diese Passage nicht, somit ist es ein Erlebnis, das fast ausschließlich den Fähren vorbehalten ist. Um 10:30 Uhr legten wir im Südhafen von Helsinki an. Von hier hat man einen direkten Blick auf den Dom und die Uspenski-Kathedrale.

Blick auf die Seefestung Suomenlinna von einem Schiff aus
Die Festung Suomenlinna

2. Helsinki: Design, Dom und finnisches Flair

Vom Südhafen war es ein kurzer Fußmarsch zu unserem Hotel, dem Home Hotel Jugend im Design District. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1903. Es ist eine Jugendstil-Granitburg mit zentralem Turm, die in Helsinki den Spitznamen „Granite Castle“ trägt. Innen erwartet einen ein schöner Kontrast: historische Lobby mit gotischen Bögen, Kamin und Holzparkett, und dahinter moderne, schlichte Zimmer. Bei jeder Buchung sind Frühstück, der tägliche Fika am Nachmittag mit frisch gebackenen Leckereien und ein Abendessen inklusive. Das Hotel liegt mitten im Design District, fußläufig zu fast allem was man sehen möchte. Ein guter Ausgangspunkt.

Blick auf das Home Hotel Jugend
Unser Hotel – Home Hotel Jugend von Außen

Dom, Bahnhof & die Oodi-Bibliothek

Der Helsinkier Dom hatte gerade eine zweijährige Renovierung hinter sich und stand zum ersten Mal für uns wieder ohne Gerüste da. Vor dem blauen Himmel (mit ein paar Wolken) wirkt er fast unwirklich weiß. Durch die Innenstadt, vorbei am Hauptbahnhof mit seinen berühmten steinernen Figurenpaaren an den Eingängen, gelangt man zur Zentralbibliothek Oodi und die ist eine echte Empfehlung, auch wenn man kein Bücherfan ist.

Die Oodi ist kein klassisches Bibliotheksgebäude. Im Erdgeschoss gibt es Werkstätten, Näh- und Bügelstationen, Strick-Workshops, Computer und ein Café mit Mittagsmenü. Wir hatten Glück und erwischten eine typisch finnische Lohikeitto, also eine Kartoffelsuppe mit Lachs. Die Bibliothek ist ein Ort zum Zusammenkommen, zum Arbeiten, zum Herumsitzen. Das spürt man sofort. Helsinkis Art, öffentlichen Raum zu denken, ist eine andere als in den meisten anderen europäischen Städten.

Blick über den Senatsplatz auf den Dom zu Helsinki
Blick über den Senatsplatz auf den Dom zu Helsinki
Die Oodi-Bibilothek im Zentrum Helsinkis
Die Oodi-Bibilothek im Zentrum Helsinkis

Werfthafen, Design District & Südhafen

Nach dem Sightseeing erkundeten wir abends die nähere Umgebung des Hotels. Nur rund 200 Meter entfernt liegt der Werfthafen. Er bietet einen ruhiger Ort mit Blick aufs Meer und einer schönen Industriekulisse. Einer dieser Orte, den man nicht in jedem Reiseführer findet, der aber genau die richtige Stimmung für einen Sommerabend hat. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück ging es zurück zum Südhafen mit seinem lebhaften Markt und dem Esplanade-Park, der sich als grünes Band durch die Innenstadt zieht.

Blick auf den Werfthafen-Hafen in Helsinki
Blick auf den Werfthafenhafen in Helsinki

Helsinki hat uns mit seinem entspannten Design-Flair überrascht. Die Stadt ist zwar kleiner als Stockholm, aber irgendwie konzentrierter, als würde weniger Raum für Umwege bleiben. Alle Detailtipps für den Landgang findet ihr hier: https://cruise-ahoi.de/blog/stadt/praktische-reisetipps-fuer-deinen-staedtereise-nach-helsinki-mit-dem-kreuzfahrtschiff/. Nach einem Tag hieß es aber schon weiter: Vom Südhafen rüber zum Fährhafen, wo die MyStar auf uns wartete.

MyStar: Das schnelle Schiff der Flotte — [Helsinki nach Tallinn]

Die MyStar legt am Terminal gegenüber dem Kreuzfahrthafen ab. Eine Straßenbahn fährt direkt bis zum Eingang des Terminals. Abfahrt war um 16:30 Uhr, Boarding ab 15:50 Uhr. Wir hatten Zugang zur Business Lounge, was bedeutete: Wir durften als eine der Ersten an Bord und hatten das Schiff für kurze Momente fast für uns allein. Das ist ein anderes Gefühl als mit dem Strom der Passagiere reinzuströmen.

Ein Schiff, vier Klassen

Die MyStar ist ein völlig anderes Erlebnis als die Silja Symphony. Keine Nachtüberfahrt, keine Promenade, kein Vollprogramm. Stattdessen: eine rund zweistündige Tagesüberfahrt in einem der modernsten Fährschiffe auf der Ostsee. Das Schiff bietet vier Reiseklassen, die sich in Komfort und Preis deutlich unterscheiden.

Die Star Class ist die offene Basisklasse mit freier Platzwahl im gesamten Schiff. Die Comfort Lounge bietet komfortablere Sessel, Snacks und Heißgetränke. Die Business Lounge auf Deck 8 am Bug ist das Herzstück für alle, die die Überfahrt in Ruhe genießen wollen: Vollbuffet, Cocktailbar, Premium-WLAN und ein Panoramablick, der auf zwei Stunden Ostsee kaum besser sein könnte. Und dann gibt es noch die Platinum Lounge. Sie hat nur sechs Sitzplätze, À-la-carte-Menü und eigenen Shopping-Service.

Die Business Lounge war angenehm ruhig und das Buffet hochwertig mit viel Auswahl. Was uns aber mehr beschäftigt hat als das Essen: Wir konnten das Schiff ein paar Minuten in Ruhe erkunden, ohne gegen die Masse ankämpfen zu müssen. Das macht einen Unterschied, wenn man ein Schiff wirklich sehen will.

Blick in die Business Lounge der MyStar
Blick in die Business Lounge der MyStar

Gartendeck, Traveller Superstore & Burger King®

Am Heck gibt es auf der MyStar ein Gartendeck mit echten Pflanzen, Holzboden und Heizstrahlern. Der „Garten“ ist überdacht, sodass man auch bei Wind geschützt sitzt und trotzdem einen freien Blick auf die Heckwelle und die Skyline Helsinkis beim Ablegen hat.

Der zweistöckige Traveller Superstore ist mit über 2.500 Quadratmetern Verkaufsfläche kaum zu übersehen. Von Designerparfüm über estnische Spezialitäten bis zu Spirituosen. Der Store ist so groß, dass man sich kurz fragt, ob man sich verlaufen hat.

Der Traveller Superstore an Bord der MyStar
Der Traveller Superstore

Und dann ist da noch der Burger King®. Was viele nicht wissen: Tallink Silja Line war die erste Reederei weltweit, die einen Burger King auf See betrieb. Angefangen mit der Megastar im Jahr 2016. Die MyStar ist mittlerweile das zweite Schiff der Flotte mit einem Burger King® an Bord. Das obligatorische Foto mit dem Burger und Ostseeblick durchs Fenster ist natürlich Pflicht.

Die Ausfahrt aus Helsinki bot wenig Schären im Vergleich zu Stockholm. Dafür zeigte der Finnische Meerbusen seine rauere Seite. Es war windig, die Gischt peitschte gegen die Scheiben, und wir waren froh, drinnen im Warmen zu sitzen. Um 18:20 Uhr liefen wir bereits in den Hafen von Tallinn ein. Das Schiff liegt hier sehr zentral. Wir brauchten 10 Minuten zu Fuß bis in die Altstadt, Straßenbahnen fahren direkt ab dem Terminal.

Einlaufen in Tallinn mit der MyStar
Einlaufen in Tallinn mit der MyStar

3. Tallinn: Wo Mittelalter auf Moderne trifft

Unser Hotel in Tallinn war das Tallink City Hotel, direkt in der Nähe des Viru-Tors und des Rotermann-Viertels. Das Hotel ist modern und klar gestaltet, mit eigenem Steakhouse-Restaurant, Lobby-Bar und einer Kinderlounge. Es bietet einen unkomplizierter Ausgangspunkt für alles, was diese Stadt zu bieten hat. Und das ist mehr als man denkt.

Das Tallink City Hotel in Tallinn
Das Tallink City Hotel in Tallinn

Erstes Abend: Rotermann-Viertel

Nach dem Abendessen im Hotelrestaurant machten wir uns auf einen ersten Spaziergang ins Rotermann-Viertel und waren sofort überrascht. Wer Tallinn bisher nur mit mittelalterlicher Altstadt verbunden hat, begegnet hier einem völlig anderen Gesicht der Stadt. Historische Backstein-Industriegebäude aus dem 19. Jahrhundert wurden mit modernen Glas-und-Stahl-Strukturen verbunden. Das Ergebnis ist kein gesichtsloses Neubau-Viertel, sondern ein wirklich gelungener architektonischer Dialog zwischen Alt und Neu. Restaurants, Cafés und kleine Läden haben sich in den Bögen der alten Fabrikhallen eingenistet.

Das Rotermann-Viertel in Tallinn
Das Rotermann-Viertel in Tallinn

Altstadt: Hellemann Turm, Katharinengang & Mittelalter live

Am nächsten Morgen hatten wir Traumwetter, ein wolkenloser Himmel. Vom Viru-Tor aus ging es zunächst zum Hellemann-Turm, direkt an der mittelalterlichen Stadtmauer. Hier läuft man auf einem überdachten Mauergang, mit Blick hinaus über die Stadt. Es ist einer dieser Orte, die man kaum beschreiben kann ohne in Klischees zu verfallen, aber das Gefühl, durch einen Gang zu laufen, der seit dem 14. Jahrhundert steht, ist einfach anders als jedes Museum.

Blick von der Stadtmauer auf Tallinn
Blick von der Stadtmauer auf Tallinn

Danach die klassischen Highlights: der Katharinengang mit Handwerksläden unter mittelalterlichen Bögen, der Rathausplatz mit der Ratsapotheke (eine der ältesten durchgehend betriebenen Apotheken Europas) und die engen Gassen der Unterstadt. Die Altstadt Tallinns ist außergewöhnlich gut erhalten. Was sie von anderen mittelalterlichen Altstädten in Europa unterscheidet: Sie wirkt nicht wie ein Freilichtmuseum. Die Menschen leben und arbeiten hier, die Gassen sind nicht nur für Touristen da und das merkt man noch.

Blick in die Katharinengasse von Tallinn
Blick in die Katharinengasse von Tallinn

Schloss Kadriorg & Telliskivi

Mit der Straßenbahn fuhren wir weiter zum Schloss Kadriorg. Peter der Große ließ es im 18. Jahrhundert für seine Frau errichten. Es ist ein Barockschloss mit weitläufigem Park, der an einem Vormittag zum Durchatmen einlädt. Der Schlosspark ist ruhig, gepflegt und deutlich weniger überlaufen als die Altstadt. Wer nach dem Gedränge in den Gassen etwas Stille braucht, ist hier richtig.

Das Barock-Schloss im Kadriorg Park von Tallinn
Das Barock-Schloss im Kadriorg Park von Tallinn

Danach das komplette Gegenteil: Telliskivi. Das Creative City-Areal auf einem ehemaligen Bahnhofsgelände ist das lebendigste Viertel der Stadt. Street Art an jedem Gebäude, das Fotomuseum Fotografiska, kleine Cafés, Vintage-Läden und eine Atmosphäre, die sich von der historischen Altstadt so deutlich unterscheidet, dass man kaum glauben kann, in derselben Stadt zu sein. Tallinn macht diesen Kontrast besser als viele andere Städte.

Unser wichtigstes Learning: Ein Tag ist für Tallinn zu wenig. Man ahnt es vorher, man weiß es hinterher. Wer ernsthaft plant, sollte mindestens zwei Tage einrechnen. Alle Detailtipps für den Landgang findet ihr hier: https://cruise-ahoi.de/blog/stadt/praktische-reisetipps-fuer-deinen-staedtereise-nach-tallinn-mit-dem-kreuzfahrtschiff/. Am späten Nachmittag hieß es für uns leider schon weiter zurück zum Hafen, wo die Baltic Queen für die letzte Nachtüberfahrt zurück nach Stockholm auf uns wartete.


Baltic Queen: Nachtüberfahrt zurück nach Stockholm [Tallinn nach Stockholm]

Der Check-in lief wie bei den anderen Tallink Silja Line-Schiffen: Buchungsnummer eingeben oder QR-Code scannen, Bordkarten drucken, durch die Schranken in den Wartebereich. Wer lieber an einem Schalter eincheckt kann das tun, dort fällt jedoch eine kleine Servicegebühr an. Boarding war um 16:15 Uhr.

Unsere Kabine auf der Baltic Queen war eine Suite und die hat uns ehrlich gesagt etwas überrascht. Nicht weil wir keine gute Kabine erwartet hätten, sondern weil sie wirklich durchdacht eingerichtet war: ein durch einen Vorhang abgetrennter Schlafbereich, ein Wohnbereich mit Sofa, und ein Fenster direkt auf den Bug des Schiffes. Beim Ablegen aus Tallinn hatten wir die beste Aussicht an Bord.

Der Wohnbereich der Suite
Der Wohnbereich der Suite

Das Schiff erkunden

Die Baltic Queen ist anders als die Silja Symphony mit der wir zu Beginn gefahren sind. Sie ist kleiner, aber charaktervoller, mit einem klaren Art-Déco-Einschlag in der Innengestaltung. Das Herzstück ist die zweistöckige Show-Lounge mit bodentiefen Panoramafenstern. Tagsüber ein beeindruckender heller Raum, abends die Bühne für Live-Shows.

Das Gastronomiekonzept hebt sich von den anderen Schiffen der Flotte ab. Das Restaurant Aleksandra mit slawisch geprägter Speisekarte ist ein Angebot, das man auf keinem anderen Tallink Silja Line-Schiff findet. Dazu gibt es The Chef’s Kitchen und das Grill House für Fleischliebhaber. Drei Konzepte, drei verschiedene Richtungen. Für eine Nachtüberfahrt ist das eine gute Auswahl.

Das Restaurant The Chefs Kitchen
Das Restaurant The Chefs Kitchen

An Deck gibt es keine Rundum-Promenade wie auf der Silja Symphony, sondern seitliche Ausgänge auf Deck 6. Oben auf Deck 10 gibt es einen Außenbereich mit verglastem Hauptteil. Das ist praktisch bei dem Wind, den Tallinn gerne mitschickt. Ganz am Heck gibt es einen offenen Bereich mit freiem Blick auf die Heckwelle. Und ganz oben beim Schornstein befindet sich ein Aussichtsbereich, von dem man bei der Schärenpassage einen 360°-Blick hat. Den sollte man sich nicht entgehen lassen.

Um 18 Uhr hieß es ein letztes Mal „Leinen los“ und wir machten uns auf den Weg zurück nach Stockholm.

Das Auslaufen aus dem Hafen von Tallinn
Das Auslaufen aus dem Hafen von Tallinn

Abend, Shows & Sonnenuntergang

Das Abendessen im Grande Buffet lief wieder mit Platzkarten. Das System kennen wir mittlerweile, es funktioniert. Die Auswahl war groß, die Stimmung entspannt. Wir hatten das Glück, einen Platz am Fenster zu bekommen, und so begleitete uns ein langer Sonnenuntergang direkt über der Ostsee durch das Abendessen. Manchmal passt das Timing einfach.

Das Grande Buffet an Bord der Baltic Queen
Das Grande Buffet

Abends gab es gleich zwei Partyshows in der Show-Lounge. Die erste war um 22 Uhr, die zweite um Mitternacht. Beide waren mit Tänzern und Sängern, aber mit unterschiedlichem Programm. Dazwischen spielte eine Passagierband live auf der Bühne, und die Tanzfläche füllte sich schnell. Es war ausgelassen, herzlich und ein bisschen melancholisch, weil es der letzte Abend auf See für uns war.

Die Show in der Show Lounge der Baltic Queen

Morgens: Schären, Frühstück und Abschied

Am nächsten Morgen wachten wir genau zur Schärenpassage auf. Die schwedischen Schären im Morgenlicht, langsam an Felsen und kleinen Inseln vorbeizugleiten, das Licht der frühen Sonne auf dem Wasser. Das ist einer der Momente, für die man früh aufstehen sollte. Wer schläft, verpasst ihn. Um 9 Uhr folgte die enge Passage in umgekehrter Richtung, zurück nach Stockholm.

Die Schärenpassage in Stockholm

Das Spezialfrühstück gab es diesmal im Grill House. Ein Tipp für alle, die das nachmachen wollen: Es lohnt sich vorher nachzuschauen, welches Restaurant auf welchem Schiff das Spezialfrühstück ausrichtet. Das unterscheidet sich je nach Schiff. Wie auf der Silja Symphony war das Spezialfrühstrück auch hier ruhiger als das Hauptbuffet, entspannter und ein guter Start in den letzten Tag.

Um 10:30 Uhr legten wir im Värtahamnen an. Die Silja Symphony stand auf der gegenüberliegenden Seite des Piers, bereit für die nächste Abfahrt nach Helsinki. Wir hatten in sechs Tagen drei Hauptstädte und drei völlig unterschiedliche Schiffe erlebt. Und standen jetzt wieder auf dem Pier und hätten eigentlich gerne nochmal gebucht.


Fazit: Für wen lohnt sich diese Reise?

Die Ostsee-Rundreise mit Tallink Silja Line ist kein gewöhnlicher Städtetrip und das ist genau der Punkt. Die Schiffe sind nicht der Weg zum Ziel, sie sind ein eigenständiger Teil der Reise. Jedes der drei Schiffe hat einen völlig anderen Charakter, und das ist keine Marketingaussage, sondern etwas, das man wirklich spürt.

Die Silja Symphony ist die klassische Kreuzfahrtfähre: Promenade, Vollprogramm, Schärenpassage, Abendshow. Ein Schiff, das man nicht einfach durchquert, sondern erkundet. Die MyStar ist das Gegenteil davon, ein modernes Tagesshuttle mit vier Klassen, klarer Designanspruch und zwei Stunden die sich nicht nach Überfahrt anfühlen. Und die Baltic Queen ist die charaktervollste der drei: kleiner, persönlicher, Art-Déco-Einschlag, eine Speisekarte die man auf keinem anderen Schiff der Flotte findet.

Die Reise empfiehlt sich besonders für alle, die mehrere nordeuropäische Hauptstädte verbinden wollen, ohne ständig Koffer zu packen und Flüge zu buchen. Man schläft auf dem Schiff, wacht in der nächsten Stadt auf, und das Gepäck steht schon bereit. Für Familien bieten die Schiffe mit Kinderbereichen, Animationsprogramm und viel Platz gute Voraussetzungen. Und für alle, die das Reisen selbst als Erlebnis begreifen, also die Schären im Morgenlicht, die Einfahrt an der Suomenlinna-Festung, der Sonnenuntergang auf der offenen Ostsee, sind die Überfahrten selbst Ziele.

Was wir beim nächsten Mal anders machen würden: Für Tallinn mehr Zeit einplanen. Ein Tag ist zu wenig, das war uns nach einer Stunde in der Altstadt klar. Und wer die Schärenpassage voll auskosten möchte, stellt den Wecker. Es lohnt sich.

Wir kommen sicherlich wieder. Und das nächste Mal mit mehr Zeit für Tallinn und vielleicht einem Upgrade auf die Platinum Lounge der MyStar. Nur um zu sehen, wie es dort ist.


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